Schlechte Karten für Geoff Hoon

30. Jänner 2004, 16:25
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Verteidigungsminister im Kreuzfeuer

London - Als Sündenbock ist er schon länger im Gespräch, als Bauernopfer, das von Premier Tony Blair auf dem Altar der Kelly-Affäre dargebracht wird. Zuletzt klang der britische Verteidigungsminister Geoff Hoon (50) schon selber so, als habe er resigniert. "Vier Jahre im Amt sind eine lange Zeit", sagte er.

Hoon trat im Oktober 1999 als unauffälliger Bürokrat in Blairs Kabinett ein, als sein Vorgänger George Robertson den Posten des Nato-Generalsekretärs übernahm. Gesucht war "a safe pair of hands", wie Engländer sagen, ein verlässlicher Mann.

Doch spätestens seit dem Irakfeldzug werden Zweifel laut. Die Briten zogen schlecht ausgerüstet in den Krieg. Etliche der 45.000 Soldaten, die Blair an die Front beorderte, mussten sich sogar das Nötigste selbst kaufen: Wüstenstiefel, Uniformen in Wüstenfarben, Schlafsäcke, Zelte. Die Lieferungen, die das Verteidigungsressort zu organisieren hatte, kamen entweder zu spät oder gar nicht an. Sergeant Steven Roberts wurde bei Basra von Kugeln in Brust und Bauch getroffen, weil es an kugelsicheren Westen mangelte. Seine Witwe Samantha fordert Hoons Rücktritt.

Scharfe Kritik an dem blassen Technokraten übt auch Jeremy Gompertz, der Anwalt, der eine andere Witwe vertritt: Janice Kelly, die Ehefrau David Kellys. Hoon habe sich vor Lordrichter Brian Hutton der Falschaussage schuldig gemacht, sagt Gompertz. Tatsächlich spielte der Minister zunächst den Ahnungslosen: Er wisse nicht, wie bekannt werden konnte, dass David Kelly die Quelle eines regierungskritischen BBC-Berichts war. Zu Hoons Pech tauchte kurz darauf ein Tagebuch auf. Darin notierte Blairs Pressechef Alastair Campbell: "(Regierungsberater Sir David) Omand meinte, der Typ (Kelly) müsse korrekt behandelt werden. GH (Geoff Hoon) und ich meinten, uns würde da eine gute Chance entgehen." GH habe genauso wie er, Campbell, darauf gedrängt, den Namen Kelly "über die Zeitungen rauszubringen". (fh/DER STANDARD, Printausgabe, 29.1.2004)

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    Die Kelly-Affäre könnte Verteidigungsminister Geoff Hoon zum Verhängnis werden.

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