Österreicher auf Saddams Geschenkliste?

29. Jänner 2004, 17:13
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Zeitung: Gesellschaft für österreichisch-arabische Beziehungen erhielt große Mengen an Rohöl - Vorsitzender Fritz Edlinger dementiert

Brüssel/Bagdad/Wien – Die Liste mit 270 Persönlichkeiten, Firmen und Organisationen aus aller Welt ist in Al Mahda veröffentlicht worden, einem unabhängigen Blatt, das vom angesehenen kurdischen Journalisten Fahri Karim geleitet wird. Sie stützt sie sich auf Dokumente, die nach dem Einmarsch der USA in den Archiven der staatlichen Mineralöl- Verwertungsgesellschaft‑ SOMO gefunden wurden.

Sie bezögen sich auf den Zeitraum nach 1999 und seien authentisch. Unabhängige Experten vermochten die Papiere nicht zu begutachten. Die Liste erwähnt auch, was die einzelnen Empfänger genau an Zuwendungen – gemessen in Fass Rohöl – erhielten.

Unter den Empfängern sollen prominente Sanktionsgegner gewesen, wie der britische Labour-Abgeordnete George Galloway. Spitzenreiter unter den Nehmern war der russische Rechtsextremist Wladimir Schirinowski (79,2 Millionen Fass). Mit aufgezählt werden Frankreichs Exinnenminister Charles Pasqua (zwölf Mio. Fass). Der Konservative leitet im EU-Parlament die 23- köpfige Fraktion "Union für ein Europa der Nationen".‑ Pasqua spricht von einer "Schmutzkampagne", die gerade in dem Moment beginne, in dem er wieder mehr in den Vordergrund treten will – am 13. Juni finden Wahlen zum EU-Parlament statt. Pasqua meinte gegenüber Le Monde, er habe nie etwas von Saddam erhalten, "weder Geld noch Öl". Er vermutet eine "eventuelle Manipulation durch die amerikanischen Dienste".

Weitere angebliche Spendenempfänger: Indonesiens Ministerpräsidentin Megawati Sukarnoputri sowie die Söhne des toten ägyptischen Präsidenten Nasser, des amtierenden libanesischen Präsidenten Emile Lahoud und des syrischen Verteidigungsministers Mustafa Tlass. Der ehemalige palästinensische Terrorist und "Achille Laura"- Entführer Abu Abbas soll sich den Ruhestand mit 11,5 Millionen Fass versüßt haben. Gut versorgt wurden auch politische Kräfte in (Ex-)Jugoslawien.

In Österreich sollen die Österreichisch-Arabische Gesellschaft und ein Universitätsprofessor mit jeweils einer Million Fass mitgeschnitten haben. Für die Österreichisch- Arabische Gesellschaft dementierte deren Generalsekretär Fritz Edlinger gegenüber dem STANDARD, jemals Geld von Saddam erhalten zu haben. Die Vorwürfe seien alt, bereits Objekt einer gerichtlichen Untersuchung gewesen und hätten seiner Meinung nach ihren Ursprung in einer "innerarabischen Intrige".

Der von der Zeitung erwähnte Professor nannte die Vorwürfe ebenfalls absurd. Er habe keinen Cent von Saddam erhalten. Außerdem wundere er sich, "dass nicht ganz andere österreichische Namen auf dieser Liste stehen". Ein notorischer Bagdad-Besucher und Verteidiger Saddams steht ebenfalls nicht darauf: Kärntens Landeshauptmann Jörg Haider. (jwo, gma, win/DER STANDARD, Printausgabe, 29.1.2004)

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    Verteilte Saddam großzügige Ölgeschenke?

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