Die Kelly-Affäre auf einen Blick

30. Jänner 2004, 16:25
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Untersuchungsbericht entlastet Blair-Regierung

Hamburg - Die Affäre um den britischen Biowaffenexperten und Regierungsberater David Kelly geht auf den 24. September 2002 zurück. Damals hatte Premierminister Tony Blair behauptet, Bagdad könne binnen 45 Minuten Massenvernichtungswaffen einsetzen:

29. Mai 2003: Unter Berufung auf gut informierte Kreise berichtet der BBC-Reporter Andrew Gilligan im Radio, die Regierung habe in ihrem Irak-Dossier die Gefährlichkeit des Landes gegen den Willen der Geheimdienste bewusst aufgebauscht ("sexed up"). Die 45-Minuten-Aussage steht dabei im Mittelpunkt.

1. Juni: Gilligan macht in der Zeitung "Mail on Sunday" Blairs Kommunikationschef Alastair Campbell für die umstrittene Passage verantwortlich. Campbell weist die Vorwürfe Ende Juni vor einem Irak-Untersuchungsausschuss des Unterhauses zurück.

7. Juli: Der Ausschuss entlastet in seinem Abschlussbericht die Regierung vom Vorwurf der Täuschung, bezeichnet die 45-Minuten-Aussage aber als überbetont.

9. Juli: Das Verteidigungsministerium nennt Kelly inoffiziell als mögliche Quelle des BBC-Berichts.

15. Juli: Kelly wird vom Auswärtigen Ausschuss des Parlaments teils rüde verhört. Er räumt ein, Gilligan getroffen zu haben, bestreitet aber, alleinige Quelle des BBC-Berichts gewesen zu sein.

18. Juli: Kelly wird, mit aufgeschnittenen Pulsadern, tot in einem Waldstück aufgefunden.

20. Juli: Die BBC nennt Kelly als Quelle ihres Berichtes und gerät damit selbst ins Kreuzfeuer der Kritik. Auch Verteidigungsminister Geoff Hoon kommt unter Druck.

1. August: Der kurz nach dem Tod Kellys von der Regierung eingesetzte Lordrichter Brian Hutton nimmt seine Untersuchungen auf, um die Todesumstände des Experten aufzuklären.

22. September: Hoon gibt zu, über einen der umstrittensten Punkte informiert gewesen zu sein. Er habe die Strategie seiner Pressesprecher zur Nennung des Namens von Kelly genehmigt.

28. Jänner 2004: Der Untersuchungsbericht wird veröffentlicht. Hutton weist in seinem Bericht Vorwürfe des Rundfunksensers BBC zurück, die Regierung habe vor dem Irak-Krieg einen Geheimdienstbericht über die von dem Land ausgehende Gefahr aufgebauscht. Die Vorwürfe seien "unzutreffend" und "unbegründet". (APA)

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