Amnesty International "schockiert"

29. Jänner 2004, 20:55
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Scharfe Kritik an "menschenunwürdiger Umsetzung eines Gerichtsbeschlusses"

Wien - Im Streit um das Sorgerecht für den achtjährigen Christian W. meldete sich am Mittwoch die Menschenrechtsorganisation amnesty international (ai) zu Wort. Generalsekretär Heinz Patzelt übte im Gespräch mit der APA scharfe Kritik an der "menschenunwürdigen Umsetzung eines Gerichtsbeschlusses". Es sei unzulässig, "gegen ein Kind Gewalt anwendende Exekution zu üben wie gegen ein Rembrandt-Gemälde, das man von der Wand nimmt und dann den Kuckuck draufpickt", so Patzelt wörtlich.

Dass ein Kind gegen seinen Willen von Gerichtsvollziehern in Richtung eines Gendarmerieautos gezerrt wird, nur um einer gerichtlichen Entscheidung genüge zu tun, stellt laut Patzelt einen klaren Bruch der Kinderrechtskonvention dar. Ein derartiges Vorgehen sei "an sich völlig undenkbar". Patzelt zeigte sich "schockiert, dass so etwas in Österreich möglich ist."

Im gegenständlichen Fall wären notfalls Zwangsmaßnahmen gegen den Vater in Erwägung zu ziehen, um damit auf ihn einzuwirken, seinem Sohn beizubringen, dass es einen gültigen Gerichtsbeschluss gibt, welcher der Mutter das Recht auf Obsorge zuspricht. Ein Kind als "rechtloses Objekt wie ein Möbelstück" zu behandeln, dürfe jedoch unter keinen Umständen als Lösung in Betracht gezogen werden.

Grundsätzlich forderte der ai-Generalsekretär, bei Auseinandersetzungen um das Sorgerecht verstärkt die betroffenen Kinder einzubeziehen. Die bisher geübte Praxis, nur über 14-Jährige in die Entscheidung miteinzubinden, ob sie zukünftig bei der Mutter oder dem Vater leben werden, "geht an der Realität vorbei", so Patzelt. "Auch Neun- oder Zehnjährige sind durchaus in der Lage einzuschätzen, wo sie besser untergebracht sind," betonte er. (APA)

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