Auweh statt Juchhe auf der Piste

30. Jänner 2004, 15:45
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Bis zu 65.000 Menschen könnten im Krankenhaus landen, das sind mehr, als es Verunglückte im Straßenverkehr gibt

Der üppige Schneefall wird heuer für mehr Verletzte auf den Skipisten sorgen, sind Experten überzeugt. Bis zu 65.000 Menschen könnten im Krankenhaus landen, das sind mehr, als es Verunglückte im Straßenverkehr gibt.

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Wien - Wenn im Winter der Berg ruft, sollte man vorsichtig sein. Heuer werden voraussichtlich mehr Skifahrer und Snowboarder ihre Abfahrt mit einer Krankenhausbehandlung beenden, als es Verunglückte im Straßenverkehr gibt. Die Unfallzahlen im Dezember sind, wegen der guten Schneelage, um fast zehn Prozent im Vergleich zum Vorjahr gestiegen.

Rund 9000 Menschen mussten im Dezember 2003 nach einem Crash auf der Piste ins Spital, um sich behandeln zu lassen. Zwölf Monate zuvor waren es nur 8000, berichtet das Institut Sicher Leben. "Das heißt aber nicht, dass das Skifahren gefährlicher ist als im Vorjahr", erläutert Rupert Kisser, der Leiter des Institutes. "Es besteht vielmehr eine ganz klare Relation zwischen dem Wetter und der Unfallhäufigkeit. Und der Dezember 2002 war eher niederschlagsarm."

Für die gesamte Saison 2003/04 rechnen die Experten mit etwa 90.000 Unfällen, von denen 60.000 bis 65.000 eine Fahrt ins Krankenhaus zur Folge haben. Zum Vergleich: Im Jahr 2002 waren im Straßenverkehr 57.640 Verunglückte zu beklagen.

Ein Viertel bis ein Drittel der Verletzungen im Wintersport sei jedoch vermeidbar, ist Kisser überzeugt. "Aus Untersuchungen wissen wir, dass eine schlechte Bindungseinstellung das Verletzungsrisiko um diesen Wert erhöht." Rund 25 Prozent der Knieverletzungen bei Skifahrern resultieren etwa aus dem Umstand, dass die Bindung zu spät aufgeht. Der Tipp des Fachmanns: Jede Saison die Bretteln vor dem ersten Ausfahren nachjustieren lassen. Snowboarder, die ein Viertel aller Verletzten stellen, sollten besonders auf die entsprechende Schutzkleidung für Kopf, Knie und Hände achten.

Für Kisser gibt es aber noch zwei weitere Risikofaktoren: mangelnde Fitness und Unkenntnis der Pistenregeln. "Am späten Nachmittag ereignen sich deutlich mehr Unfälle als vor dem Mittagessen. Alkohol und eine schwere Mahlzeit tragen dabei zur rascheren Ermüdung bei."

Gefahr am Ende

Die Selbstüberschätzung spiegelt sich auch in den Unfallorten wider: "Die meisten Stürze ereignen sich am Ende einer Abfahrt. Typisch ist dabei die Schussfahrt zum Lift, und plötzlich lässt die Kraft in den Beinen nach."

Ist ein Zweiter am Unglück beteiligt, spielt Ignoranz der Pistenregeln oft eine Rolle. "Bei Fragen nach den Vorrangregeln auf der Piste sagt knapp ein Fünftel ,der Rechtskommende'. Tatsächlich ist es der Langsamere, also Vordere", erläutert der Institutsleiter. Auch die Ausweispflicht nach einem Zusammenstoß sei nicht jedem bekannt.

Wie riskant das Vergnügen in den Bergen ist, zeigt ein Blick in eine andere Statistik. Snowboarden birgt demnach das zweithöchste Verletzungsrisiko der populären Sportarten. 29,4 von je 1000 Ausübenden verunglückten rechnerisch im Jahr 2001, aus dem die aktuellsten Zahlen stammen. An der Spitze liegt in dieser Rangliste Fußball: 57,1 von tausend Kickern verletzen sich bei der Jagd nach dem Ball. Auf dem dritten Platz folgt, noch vor dem Alpinskilauf, Reiten. (Michael Möseneder, DER STANDARD Printausgabe 29.1.2004)

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