Obdachlos im Winter: Wiener Quartiere ausgelastet

29. Jänner 2004, 14:31
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2.300 Wohnplätze sind besetzt - 500 bis 800 Personen, großteils psychisch Kranke bleiben weiter auf der Straße

Wien - Schnee und Eiseskälte machen auch den Obdachlosen in Wien zu schaffen: Die 2.300 Wohnplätze in der Bundeshauptstadt sind nahezu vollständig ausgelastet, sagte Christian Neumayer, Bereichsleiter für die städtische Wohnungslosenhilfe. Die Zahl der Plätze sei trotzdem ausreichend, betont man bei der Stadt wie bei der Caritas. Die 500 bis 800 Personen, die auch im Winter auf der Straße leben, seien großteils psychisch krank und nicht in der Lage, die Wohnangebote anzunehmen.

Rund 3.800 Menschen durchlaufen jährlich das Wiener System der Wohnungslosenhilfe. Rund 1.000 Plätze werden direkt von der Stadt angeboten, die restlichen 1.300 stammen von Vertragspartnern wie der Caritas oder der Heilsarmee. Bei etwa 95 Prozent liegt laut Neumayer derzeit die Auslastung, im Sommer "ein Stück niedriger" bei rund 90 Prozent. Auch 2.300 Asylwerber werden beherbergt, 1.700 davon regulär und 500 in Notquartieren.

Notquartiere auch für psychisch Kranke

Dass in Wien ein Obdachloser erfroren wäre, liegt laut Neumayer schon Jahre zurück. Auch jene, die aus psychischen Gründen auf der Straße lebten, gingen "wenn es ganz schlimm wird" in ein Notquartier, ein Tageszentrum oder die "Gruft" der Caritas. Zusätzlich würden sie in aufsuchender Sozialarbeit und in Pilotprojekten auch psychiatrisch betreut. Sie zwangsweise aus ihrer gewohnten Umgebung herauszureißen, sei jedenfalls sinnlos - auch wenn es für Außenstehende unverständlich sei, wie jemand ein solches Leben führen könne.

Gut eingespielt hat sich laut Neumayer und Caritas-Sprecher Peter Wesely die im Vorjahr eröffnete zentrale Quartier-Vermittlungsstelle in der Pazmanitengasse in Wien-Leopoldstadt. Der Streit um den Bahnhofssozialdienst am Westbahnhof, den die Caritas weiter rund um die Uhr betreiben wollte, sei beigelegt. Als Ersatz gibt es nun eine zusätzliche Nacht-Betreuung in einer Obdachloseneinrichtung in Hernals.

Interessant sei, dass die Clearingstelle gerade bei Kälte weniger in Anspruch genommen werde, schilderte Neumayer. "Menschen, die bei Freunden untergekommen sind, werden gerade jetzt nicht hinausgeworfen", so seine Erklärung. (APA)

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