Fall Christian: Vorgangsweise "nicht akzeptabel und überzogen"

28. Jänner 2004, 19:54
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Gericht fordert Bericht ein - Konsequenzen für Gerichtsvollzieher stehen noch aus - Achtjähriger mit Gewalt in Gendarmerieauto gezerrt

Salzburg - In den Fall des Sorgerechtstreites um einen achtjährigen Buben in Salzburg hat sich heute das Oberlandesgericht Linz eingeschaltet, weil es für die daran beteiligten Exekutoren zuständig ist. Auf Grund der vorliegenden Medienberichterstattung sei das Gericht zur Überzeugung gelangt, dass die Vorgangsweise "nicht akzeptabel und überzogen" gewesen sei, stellte der Pressesprecher Günther Winsauer in einer Pressekonferenz Donnerstagnachmittag bekannt fest.

Das Oberlandesgericht habe einen genauen Bericht über die Vorgänge angefordert. Wenn er vorliegt, will ihn das Gericht als Grundlage für weitere Maßnahmen beurteilen und zudem dem Justizministerium und der Disziplinarkommission vorlegen.

Konsequenzen für Gerichtsvollzieher stehen noch aus

Eine Entscheidung darüber, ob die Salzburger Gerichtsvollzieher, die den achtjährigen Christian W. am Montagabend in Großgmain mit Gewalt in ein Gendarmerieauto zerren wollten, mit disziplinären Konsequenzen rechnen müssen, steht noch aus. Über eine interne Untersuchung werde "heute oder morgen" entschieden, erklärte der Vizepräsident des Landesgerichts Salzburg, Philipp Bauer. Die Exekutoren würden vorerst im Amt bleiben.

Zur Frage, ob die Männer den Volksschüler nicht zu grob behandelt hätten, wollte sich der Vizepräsident nicht äußern. In den nächsten Stunden werde das Gericht eine Entscheidung über die weitere Vorgangsweise über die Zukunft des Achtjährigen treffen.

Eskalationen vermeiden

Justizminister Dieter Böhmdorfer (F) kündigte im ORF-Mittagsjournal an, noch heute eine Expertenkommission einzusetzen, um künftig derartige Eskalationen zu vermeiden. Ein Obsorge-Streit dürfe nicht auf den Rücken von Kindern ausgetragen werden, sagte Böhmdorfer. Das Gericht in Salzburg sei korrekt vorgegangen, der Vater habe sich allerdings nicht an die Verschwiegenheitspflicht gehalten.

Mutter des Buben eingetroffen

Mittlerweile ist die Mutter von Christian, die in Schweden wohnt, in Salzburg eingetroffen. Prinzipiell sei geplant, dass sie jetzt Kontakt zu ihrem Kind aufnehmen und den Buben "nach einer sanften Annäherungsphase ohne dem Beisein von Institutionen abholen" könne, erklärte Barbara Leiblfinger-Prömer von der Salzburger Kinder- und Jugendanwaltschaft.

Dem Kind solle man "mindestens ein paar Tage Zeit geben, sich zu erholen und an die Mutter zu gewöhnen". Das Spital sei zwar nicht die günstigste Umgebung, wenn der Ort aber für beide Eltern annehmbar sei und Christian bleiben möchte, sei das akzeptabel, meinte Leiblfinger-Prömer. "Ich hoffe, die Eskalation hat alle zum Einlenken gebracht. Ganz Salzburg steht auf den Füßen, um das beste Ergebnis für Christian zu erreichen."

Vater bei "Vera

Christians Vater, der Schwede Ulf W., wird in der kommenden ORF-Sendung von "Vera" (am Donnerstag ausgestrahlt, Anm.) zu Gast sein und über den Obsorge-Streit aus seiner Sicht berichten. Der Vater des Buben ließ über die Medien ausrichten, sein Sohn sei sehr wohl verletzt worden, als ihn die Exekutoren am Montagabend in Großgmain in ein Gendarmerieauto zerren wollten. Christian habe Schmerzen an der Wirbelsäule und Prellungen erlitten. Das Gericht dementierte diese Angaben.(APA)

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