Ein Adeliger auf dem Schoko-Zauberberg

29. Jänner 2004, 22:30
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Brite versucht sich in alpinen Alltagsgeschichten - Vorarlberger "not amused"

Während sich der englische Hochadel in den Nobelskiorten des Hochgebirges tummelt, nimmt Robert Elwes, Edler von Elsham Hall, mit den Niederungen des Rheindeltas vorlieb. Der gelernte Landwirt und frühere Manager des Familienguts emigrierte nach Vorarlberg und sattelte auf Schriftsteller um. Nun beschreibt er "die Alpen, weil die ja schon in Vergessenheit geraten sind". Am Bodensee fühlt er sich "wie Hemingway im Montafon". Mit einem "Britisch-Vorarlberger Freundschaftsbuchprojekt" will er nun seine Geschichten an Herrn und Frau Vorarlberger bringen.

"Chocolate Mountains"

Bei Elwes heißen die Alpen "Chocolate Mountains", die Protagonistinnen und Protagonisten seines alpinen Tagebuches sind die Dorfmenschen von nebenan. Der Bäcker, die "schöne Metzgerstochter", der Hobbyjäger, der Tierarzt. Und weil der Edle aus Englands Norden die ländlichen Machtstrukturen gleich durchschaut hat, heuerte er bei Feuerwehr und Kirchenchor an. Was sich dort so tut, wird in Erlebnisaufsätzen festgehalten. Das erste Produkt der alpinen Beobachtungen, die kein Klischee auslassen und aus Sicht des Hobby-schriftstellers humorvoll sind, sollen den "sich rasch wandelnden Lebensstil am Beginn des 21. Jahrhunderts" dokumentieren.

Weil der Vertrieb seiner im Eigenverlag gedruckten "Chocolate Mountain Chronicles" jedoch nicht so einfach ist, wie es sich der schreiblustige Brite vorstellte, startete er nun sein "Britisch-Vorarlberger Freundschaftsbuchprojekt". 2000 Vorarlberger akademischer Bildung fanden das Buch kürzlich in ihren Briefkästen. Bei Kauf wurde ein weiteres Exemplar "für einen guten Freund ihrer Wahl" versprochen. Elwes will damit seine Finanzen und "die Englischkenntnisse der Vorarlberger aufbessern".

Bücherberg

Nächsten Frühling soll die Schokiberg-Chronik auch auf Deutsch erscheinen. "Und Vorarlberg berühmt machen." Die Vorarlberger Testleser und Testleserinnen hingegen glauben nicht so recht daran. In der Garage des Dichters stapeln sich mittlerweile die Rücksendungen. Was aber den Schreibdrang des Edlen aus Lincolnshire nicht hemmen kann. (Jutta Berger/DER STANDARD; Printausgabe, 28.1.2004)

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