Geflügelpest bedroht Millionen Menschen

30. Jänner 2004, 22:01
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WHO hat Warnung vor weltweiter Grippeepidemie mit Millionen von Toten verschärft - Vogelgrippevirus könnte sich mit normalem Grippevirus kreuzen

Die Weltgesundheitsorganisation WHO hat angesichts der in Asien grassierenden Vogelgrippe ihre Warnung vor einer weltweiten Grippeepidemie mit Millionen von Toten verschärft. Das Vogelgrippevirus könnte sich mit dem Virus der normalen Grippe kreuzen.

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Derzeit bewege sich der beim Menschen vorkommende Virustyp H3N2 von Europa und den USA auf Asien zu, wo er auf das Geflügelpestvirus H5N1 treffen könnte, sagte der WHO-Direktor für die Region Westpazifik, Sigeru Omi, am Dienstag in der vietnamesischen Hauptstadt Hanoi.

Über eine Kreuzung beider Typen könnte eine von Mensch zu Mensch übertragbare Grippe entstehen, "die das Potenzial hat, zu einer Pandemie zu werden, die Millionen töten wird". Bei dem Vogelgrippevirus H5N1 ist nach derzeitigem Wissen eine Ansteckung von Mensch zu Mensch im Alltag praktisch ausgeschlossen.

Viele Infektionen

Es sei in vielerlei Hinsicht beispiellos, dass so viele Länder gleichzeitig von der Geflügelpest betroffen seien, sagte Omi weiter. "Die Zahl des infizierten Geflügels ist überwältigend, und je mehr Geflügel infiziert wird, umso größer wird die Gefahr, dass sich Menschen anstecken." Und dadurch werde auch das Risiko größer für die Entstehung einer von Mensch zu Mensch übertragbaren Variante.

Als problematisch im Kampf gegen die Seuche gilt die in Südostasien weit verbreitete private Haltung von Geflügel. Alleine in Vietnam halten schätzungsweise acht Millionen Haushalte jeweils mehr als 20 Hühner im Hinterhof, wie das Wochenmagazin Far Eastern Economic Review in seiner neuesten Ausgabe schreibt.

Weiteres Todesopfer

Inzwischen hatte die Seuche ein neues Todesopfer zur Folge. In Thailand starb am Dienstag ein sechs Jahre alter Bub an der Seuche, wie das Gesundheitsministerium mitteilte. Er ist das insgesamt achte Opfer; betroffen sind inzwischen neun Staaten.

Die chinesische Regierung bestätigte am Dienstag, auf einer Entenfarm in der südlichen Region Guangxi seien Tiere an der Vogelgrippe erkrankt. Der Aufzuchtbetrieb sei unter Quarantäne gestellt worden, und im Umkreis von drei Kilometern seien etwa 14.000 Geflügeltiere getötet worden, hieß es. Menschen seien bisher nicht erkrankt. Bisher hatte Peking stets erklärt, in China seien noch keine Fälle von Vogelgrippe aufgetreten.

Die Seuche weitete sich unterdessen auch auf Laos aus. Die Behörden bestätigten den Ausbruch am Dienstag. Über eine Infizierung von Menschen war zunächst nichts bekannt. Nach Angaben von Experten der Weltgesundheitsorganisation (WHO) sind möglicherweise auch die Philippinen betroffen.

In Thailand und anderen Ländern mit Hühnergrippe werden inzwischen Millionen Hühner getötet und Sperrgebiete angelegt. Insbesondere für Thailand ergibt sich dadurch ein immenser wirtschaftlicher Schaden. In dem Land, dem viertgrößten Geflügelexporteur der Welt, werden jährlich mehr als eine Milliarde Hühner aufgezogen. Hunderttausende Menschen leben von der Geflügelindustrie.

Fisch statt Huhn

Im ostasiatischen Raum sind nun auch die Filialen der US-Fastfoodkette "Kentucky Fried Chicken" in Schwierigkeiten gekommen. In Ho-Chi-Minh-Stadt, wo der Geflügelverlauf verboten wurde, mussten acht Restaurants der Kette schließen.

Die Lösung glauben die Kentucky-Fried-Chicken-Verantwortlichen im Meer zu finden und verordnen ihren Franchise-Nehmern den Umstieg auf gebackenen Fisch. Ende dieser Woche werden die vietnamesischen Restaurants der Kette wieder aufgesperrt - mit Meeresbewohnern statt Geflügel im Angebot. (Reuters, dpa, AP/DER STANDARD; Printausgabe, 28.1.2004)

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