Männliche Leitung in Frauenorden abgelehnt

27. Jänner 2004, 19:40
1 Posting

Ordensgründerin Mary Ward predigte im 17. Jahrhundert ein "partnerschaftliches Miteinander von Mann und Frau in der Kirche"

München - Die in Passau lehrende österreichische Theologin und Ordensfrau Professorin Martha Zechmeister hat sich für eine Heiligsprechung der Ordensgründerin Mary Ward ausgesprochen. Mary Ward sei "sicher eine der hervorragendsten Gestalten, was den Weg der Frau in der Kirche angeht", sagte Zechmeister am Dienstag der deutschen katholischen Nachrichtenagentur KNA. Die Professorin gehört Wards Gemeinschaft - den "Englischen Fräulein" an und ist die einzige Ordensfrau auf einem theologischen Lehrstuhl in Deutschland.

Als "Unkrautpflanze" degradiert

Die "Englischen Fräulein" benennen sich am Donnerstag offiziell in "Congregatio Jesu" (CJ) um. Mary Ward wollte, dass ihre Gemeinschaft so wie die Jesuiten ohne Klausur und Chorgebet in der Verkündigung tätig ist. Eine Leitung durch Männer, wie es damals für Frauenorden üblich war, lehnte sie strikt ab. Mit diesem Konzept scheiterte sie zu Lebzeiten. Wards Gründung wurde in einer päpstlichen Bulle 1631 als "Unkrautpflanze" bezeichnet, die vernichtet werden müsse.

Laut Zechmeister waren die Theologen im 17. Jahrhundert "selbstverständlich von der moralischen Unterlegenheit der Frau überzeugt". Insoferne habe Wards Konzept "immer noch Sprengkraft", sagte die Professorin: "Mary Ward steht für ein partnerschaftliches und gleichwertiges Miteinander von Mann und Frau in der Kirche".

Der zunächst verbotene Orden lebte unter dem Protektorat von einzelnen Bischöfen und Fürsten wieder auf und erhielt zu Beginn des 20. Jahrhunderts den offiziellen Namen "Institutum Beatae Mariae Virginis" (IBMV). Er zählt weltweit rund 3.000 Schwestern und ist vorwiegend im Schulwesen tätig. Zu Beginn der siebziger Jahre kam die Bezeichnung Maria-Ward-Schwestern auf. (APA)

  • Bild nicht mehr verfügbar
    Mary Ward
Share if you care.