Schwere Vorwürfe gegen Abt Angerer

28. Jänner 2004, 17:45
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Prior des Stiftes Geras kritisiert Finanzdebakel und "unmenschliche Vorgangsweise" - Stiftsvorsteher reagiert gelassen

Geras - Heftige Kritik am Abt von Stift Geras, Joachim Angerer, übt der Prior des Stiftes, Benedikt Felsinger. In einem Schreiben betont Felsinger, der Abt habe die Öffentlichkeit über den Zustand des Stiftes "falsch informiert". Er wirft Angerer laut kath.net "unmenschliche Vorgangsweise" gegenüber seinen Mitbrüdern vor: "Wer es wagt nachzufragen, wird ruhig gestellt oder hat Geras zu verlassen."

"Ein gutes Dutzend" Mitbrüder hätte sich in den vergangenen Jahren "immer wieder nach Rom gewandt", um einen Ausweg aus der "schier ausweglosen finanziellen und wirtschaftlichen" Lage des Stiftes zu finden. Ein Kloster sei "keine One-Man-Show". Mehrere Brüder haben sich laut Felsinger "jahrelang geweigert, die Bilanzprüfung gegenzuzeichnen": "Sie alle sind nicht mehr in Geras, und somit gibt es seit fünfzehn Jahren keine Bilanzprüfung durch den Konvent mehr - was aber Klostergesetz ist."

Abt Angerer, der dem Stift seit 1986 vorsteht, hatte am 10. Jänner in Rom um seinen Rücktritt gebeten, er will diesen Schritt am 8. Februar an seinem 70. Geburtstag vollziehen. Das Stift Geras ist hoch verschuldet. Ein inoffizielles Ergebnis der apostolischen Visitation habe ein Minus von 10,1 Millionen Euro offenbart.

Angerer habe sogar "die finanziellen Zuwendungen der Diözese für die Pensionen der Mitbrüder zweckentfremdet", behauptet Felsinger. Und zwar für Stiftsbetriebe, Gehälter, Bauten und um die "hoffnungslos maroden Tourismusbetriebe über Wasser zu halten", so die Vorwürfe des Priors. Er bezeichnete Angerers Vorgehen als "völlig verfehlte Wirtschafts- und Personalpolitik, die gegen den Willen und das Wissen seiner Mitbrüder geschah". Viele Mitbrüder hätten dadurch keine Altersversorgung.

Niemand wolle eine "Galionsfigur" demontieren, betonte Felsinger. Die päpstliche Visitation sei jener "Konsolidierungsweg", der im letzten Augenblick rette, was zu retten sei.

Angerer reagiert mit Gelassenheit

Angerer reagierte auf die von Prior Benedikt Felsinger erhobenen schweren Vorwürfe mit Gelassenheit. Zur "Kathpress" sagte er am Mittwoch, er wolle keinen Streit und habe auch nicht die Absicht, auf Details einzugehen: "Nach 30 Jahren als Abt möchte ich einem Mitbruder nichts über die Medien ausrichten."

(red/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 28.1.2004/APA)

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