Österreicher bauen Wasserstollen im Iran

30. Jänner 2004, 19:54
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Abkommen in Teheran unterzeichnet - Projekt gehört zu den bisher größten heimischen Engagements im Iran überhaupt

Im Rahmen des Besuchs von Bundespräsident Thomas Klestil in Teheran wurde am Dienstag auch ein Abkommen unter Dach und Fach gebracht, das zu den bisher größten Projekten Österreichs im Iran überhaupt zählt.

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Um 134,6 Millionen Euro soll ein von einem österreichischen Unternehmen koordiniertes und geleitetes internationales Konsortium in der Provinz Kerman einen 63,5 Kilometer langen Wasserstollen bauen.

Auftraggeber ist die Islamische Republik (vertreten durch die Wasserbehörde der Provinz Kerman), Auftragnehmer ist als Konsortialführer die Firma Jäger Bau aus Schruns, weiters sind dabei die Östu-Stettin Tunnelbau aus Leoben, die iranische Firma Iran-Arvin Engineering und eine italienische sowie eine deutsche Firma. Die Finanzierung besorgt die Bank Austria Creditanstalt, und die Österreichische Kontrollbank wird für die europäischen Baufirmen und für die BA-CA die staatlichen Exportgarantien ausstellen.

Längster Tunnel ohne Zwischenangriff

Geschäftsführer Manfred Jäger, der in Teheran für das Konsortium unterzeichnete, sagte dem STANDARD, dass der geplante Tunnel seines Wissens der längste Tunnel ohne Zwischenangriff sein werde (das heißt, zwei Bohrmaschinen arbeiten von den beiden Enden des Tunnels aus und treffen sich in der Mitte). Dass der Tunnel einen Durchmesser von nur vier Meter haben wird, stellt eine extreme technische Herausforderung dar. Die Bauzeit soll fünf Jahre betragen, die Vorlaufzeit für das Projekt war lang, auch weil sich im Lauf des Projekts die Zusammensetzung des Konsortiums änderte.

In der Provinz Kerman – wo Ende Dezember das verheerende Erdbeben stattgefunden hat, bei dem in Bam mehr als 40.000 Menschen umkamen – werden Datteln und Pistazien angebaut, durch die Wasserleitung nach Kerman wird Wasser minderer Qualität für die Landwirtschaft frei werden.

Geringe natürliche Wasserressourcen

Die Region verfügt über nur geringe natürliche Wasserressourcen. Mit dem "Kerman Water Tunnel", der aus dem Süden unter dem Kuh-e-Lalehzar-Gebirge hindurch in die Stadt führen wird, sollen 100 Mio. Kubikmeter Wasser pro Jahr nach Kerman geleitet werden. Dazu wird das Wasser eines saisonal fließenden Flusses aufgestaut.

Vertreter der BA-CA, die bei der Klestil-Reise dabei waren, erwarten, dass das Volumen der österreichischen Dienstleistungen und Exporte in den Iran stark steigen werden, wenn – was in Bälde erwartet wird – bilaterale Abkommen zur Doppelbesteuerung und zum Investitionsschutz unterzeichnet werden. 2004 könnten österreichische Unternehmen gleich viel in den Iran absetzen wie in das EU-Land Portugal, nämlich 330 Millionen Euro. Der Iran ist traditionell Österreichs wichtigster Markt im Nahen Osten. Über 200 österreichische Firmen sind im Iran präsent, zwanzig haben eine eigene Niederlassung oder betreiben Joint Ventures. (DER STANDARD Printausgabe, 28.1.2004)

Gudrun Harrer aus Teheran
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