"Jüdische Lobbys in den USA"

28. Jänner 2004, 16:11
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"Deutsche" diskutierten im "Haus der Heimat" - DER STANDARD war dabei

Wien – "Die Frage, wie sich ein Jude definiert, ist für uns als Deutsche unerheblich. Wer sich als Jude bezeichnet, ist als solcher zu betrachten und auch zu behandeln", führt ein strammer 30-Jähriger aus dem Publikum aus. Im "Haus der Heimat" der Volksdeutschen Landsmannschaften in Wien wurde am Montagabend über die amerikanisch-israelische Politik im Nahen Osten diskutiert – durchaus einschlägig.

Ein gewisser Richard Melisch referierte am Podium seine These, wonach Israel durch die Unterstützung der USA militärisch unbesiegbar sei, den Nahostkonflikt dennoch nie gewinnen könne. Melisch, ein Geschäftsmann mit Beziehungen zum arabischen Raum, war im Auftrag des "Neuen Klubs" (siehe Wissen) angetreten, die Rolle der USA und Israels im Nahostkonflikt zu beleuchten. Auch FP-Bundesrat John Gudenus folgte aufmerksam den Ausführungen.

"Neuer Exodus"

Über kurz oder lang würden, so Melisch, Israel und die USA von der Waffe besiegt werden, die im Nahen Osten auf der Seite der Araber stehe: der "Waffe Demografie". Die sinkende Zahl jüdischer Israelis dient Melisch als Indikator. Am Ende dieser Entwicklung wäre im Nahen Osten "kein Raum mehr für ein Volk, das sich aufgrund seiner selbst proklamierten Auserwähltheit besondere Vorrechte anmaßt", wie Reinhard Melisch bereits in der Wochenzeitung Zur Zeit dargelegt hat.

Da "fast alle Israelis im Besitz von mindestens zwei Pässen sind", müsse sich Europa auf einen "neuen Exodus der zionistischen Bevölkerung Israels in umgekehrter Richtung" vorbereiten, "ob wir wollen oder nicht", fürchtet Melisch. Auch in den USA würde die "Waffe Demografie" zuungunsten Israels Wirkung zeigen. Noch kontrollierten jüdische Lobbys die nächsten Präsidentschaftswahlen in den USA, der Einfluss anderer "ethnischer Lobbys" sei aber am Steigen, behauptet Melisch. Dessen ungeachtet provoziere die israelische Regierung die Nachbarstaaten, während Europas Politiker, "außenpolitische Bonsais", sie gewähren lassen. (Peter M. Draxler/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 28.1.2004)

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