"Deutsche" diskutierten im "Haus der Heimat" - DER STANDARD war dabei
Wien – "Die Frage, wie sich ein
Jude definiert, ist für uns als
Deutsche unerheblich. Wer
sich als Jude bezeichnet, ist als solcher zu betrachten und
auch zu behandeln", führt ein
strammer 30-Jähriger aus dem
Publikum aus. Im "Haus der
Heimat" der Volksdeutschen
Landsmannschaften in Wien
wurde am Montagabend über
die amerikanisch-israelische
Politik im Nahen Osten diskutiert – durchaus einschlägig.
Ein gewisser Richard Melisch referierte am Podium seine These, wonach Israel durch
die Unterstützung der USA
militärisch unbesiegbar sei,
den Nahostkonflikt dennoch
nie gewinnen könne. Melisch,
ein Geschäftsmann mit Beziehungen zum arabischen
Raum, war im Auftrag des
"Neuen Klubs" (siehe Wissen)
angetreten, die Rolle der USA
und Israels im Nahostkonflikt
zu beleuchten. Auch FP-Bundesrat John Gudenus folgte
aufmerksam den Ausführungen.
"Neuer Exodus"
Über kurz oder lang würden, so Melisch, Israel und die
USA von der Waffe besiegt
werden, die im Nahen Osten
auf der Seite der Araber stehe:
der "Waffe Demografie". Die
sinkende Zahl jüdischer Israelis dient Melisch als Indikator.
Am Ende dieser Entwicklung
wäre im Nahen Osten "kein
Raum mehr für ein Volk, das
sich aufgrund seiner selbst
proklamierten Auserwähltheit besondere Vorrechte anmaßt", wie Reinhard Melisch
bereits in der Wochenzeitung
Zur Zeit dargelegt hat.
Da "fast alle Israelis im Besitz von mindestens zwei Pässen sind", müsse sich Europa
auf einen "neuen Exodus der
zionistischen Bevölkerung Israels in umgekehrter Richtung" vorbereiten, "ob wir
wollen oder nicht", fürchtet
Melisch. Auch in den USA
würde die "Waffe Demografie"
zuungunsten Israels Wirkung
zeigen. Noch kontrollierten
jüdische Lobbys die nächsten
Präsidentschaftswahlen in
den USA, der Einfluss anderer
"ethnischer Lobbys" sei aber
am Steigen, behauptet Melisch. Dessen ungeachtet provoziere die israelische Regierung die Nachbarstaaten, während Europas Politiker, "außenpolitische Bonsais", sie gewähren lassen.
(Peter M. Draxler/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 28.1.2004)