"Gegen Wände gelaufen"

27. Jänner 2004, 15:09
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Penninger beanstandet "Wadlbeißerei" am Institut für Molekulare Biotechnologie der Österreichische Akademie der Wissenschaften

Auch wenn sein Pioniergeist ungebrochen bleibe, bisweilen sei er beim Aufbau seines neuen Instituts schon "gegen Wände gelaufen". Und auch diverse "Wadlbeißerei" mache einem das Leben nicht einfach, von den "Neidern" wolle er gar nicht sprechen, sagte der frisch gebackene Wissenschafter des Jahres 2003. Letztendlich ist Josef Penninger aber überzeugt, dass sich der Aufwand lohnen wird: "Man kann hier etwas aufbauen".

53 Mitarbeiter verpflichtet

53 Mitarbeiter hat er mittlerweile verpflichtet, darunter internationale Top-Forscher, etwa auf den Gebieten Neurobiologie oder Stammzellforschung. Doch damit gibt sich der Immunologe nicht zufrieden, insgesamt kann er mit dem derzeitigen Budget von 7,27 Millionen Euro 70 bis 80 Leute beschäftigen, doch es sollen 140 bis 150 werden. Pragmatisierungen lehnt Penninger dabei strikt ab. "Wir bekommen zwar wahrscheinlich mehr Geld als pragmatisierte Wissenschafter, bei mangelnder Leistung sind wir aber jederzeit kündbar", so der Chef des Instituts für Molekulare Biotechnologie der Österreichische Akademie der Wissenschaften.

Dass Europa bezüglich Forschung hinter den USA nachhinken, lässt Penninger nur zum Teil gelten. Was die Umsetzung etwa der Biowissenschaften in Biotechnologie angehe, sei das sicher zu bemängeln. 20 Jahre, so schätzt er, muss Europa aufholen. Für die Wissenschaft selbst gelte das aber nicht.

Zweifler-Mentalität

Den deutlichsten Unterschied zwischen Europa und den USA sowie seiner bisherigen Heimat Kanada sieht Penninger in der Art, wie man an neue Projekte heran- und mit Ideen umgeht. "In Kanada heißt es 'großartige Idee - lasst es uns anpacken', in Europa steht erst einmal der Zweifel im Vordergrund", berichtete der Mediziner.

Weiters betrachtet sich Europa immer noch als abgeschlossene Gesellschaft, zu viel Konkurrenz aus dem Rest der Welt wird eher gefürchtet. Dem stehe die Tatsache gegenüber, dass sich an Top-Unis in den Vereinigten Staaten 80 Prozent der Wissenschafter aus dem Ausland rekrutieren. "Mir ist es bei meiner Personalpolitik völlig egal, wo jemand herkommt oder wie jemand aussieht, Hauptsache die Leistung stimmt", so Penninger.

Plädoyer für die Freiheit der Wissenschaft

Ein Plädoyer hielt der Forscher für die Freiheit der Wissenschaft. Er merke vor allem in Europa Tendenzen, dass sich die Politik zunehmend einmischen und die Richtung vorgeben will. Dass Beamte und Politiker Wissenschaft beurteilen, ist für Penninger völlig indiskutabel. "Gute Forschung reguliert sich selbst", ist er überzeugt.

Fünfjahresplan

Trotz Verzögerungen, vor allem beim Bauvorschritt des IMBA, ist der Immunologe überzeugt, dass der vor drei Jahren gestartete Fünfjahresplan für den Aufbau des Instituts eingehalten werden kann. Persönlich bedauert er derzeit die vielen Verwaltungsaufgaben, die er übernehmen muss, anstatt forschen zu können. Für ihn ist das eigentlich verschwendete Zeit. Umgekehrt, so tröstet sich der Wissenschafter, sei Forschung ohne die nötige Infrastruktur und absolute Top-Forscher undenkbar. Es mache keinen Sinn, statt eines Spitzenmannes oder einer Spitzenfrau zwei mittelmäßige Leute zu holen.

Bildungsministerin Elisabeth Gehrer gratulierte Penninger in einer Aussendung für die Auszeichnung. Er, Penninger, habe dazu beigetragen, dass Spitzenleistungen der heimischen Wissenschaft verständlich in der Öffentlichkeit dargestellt werden. (APA)

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