Uni Wien: Studierende rufen zur "Selbsttortung" auf

28. Jänner 2004, 15:25
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Aktionen gegen umstrittenen Organisationsplan gehen weiter - Opposition plant Misstrauensantrag gegen ÖH-Führung

Wien - Die Studierenden an der Uni Wien setzen weiterhin auf cremiges Backwerk als Protestmittel. Heute, Mittwoch, soll mit einer Tortenschlacht vor dem Rektorat wiederholt Kritik am neuen Organisationsplan geübt werden. Am Mittwoch wollen sie sich vor dem Rektorat selbst "torten". Unter dem Titel "Schlacht um' s Rektorat" soll darauf hingewiesen werden, dass Torten-Würfe in einem humoristischen Kontext zu sehen seien und "per se widerständige, politische Handlungen" wären.

Misstrauensantrag geplant

Mit einem Misstrauensantrag konfrontiert wird die aus Grünen und Alternativen StudentInnen (GRAS) sowie Verband Sozialistischer StudentInnen (VSStÖ) bestehende Führung der Österreichischen Hochschülerschaft (ÖH) bei der Sitzung des Studentenparlaments am Donnerstag.

AG: "ÖH als Plattform für Verbreitung ihrer Ideologien benutzt"

Die bürgerliche AktionsGemeinschaft (AG) wirft der ÖH-Spitze vor, die Hochschülerschaft als "Plattform für die Verbreitung ihrer Ideologien" zu nutzen. Die Besetzung des Rektorats an der Uni Wien sowie die "Tortung" von Rektor Georg Winckler sowie Hochschul-Sektionschef Sigurd Höllinger habe ein Bild der Studenten erzeugt, "das verheerend ist", so der neue AG-Obmann Christoph Marx am Dienstag gegenüber der APA. Stärkung der Uni- und Studienrichtungsvertretungen gefordert

Außerdem habe es die ÖH verabsäumt, das neue Universitätsgesetz (UG) zu akzeptieren und ihre Struktur demgemäß anzupassen. Demnach müssten die Universitätsvertretungen und Studienrichtungsvertretungen gestärkt werden, meinte Marx - das bedeute allerdings nicht, dass das österreichweite Studentenparlament, die Bundesvertretung, an Bedeutung verlieren müsse. Es gebe allerdings Anzeichen, dass die ÖH-Exekutive dies mittlerweile erkannt habe, räumte Marx ein. Bevorzugen - auch im finanziellen Sinn - will Marx künftig "interessierte" Studenten. Derzeit würden gerade jene Studierende, die Freude an ihrer Ausbildung haben, durch "verheerende Studienbedingungen" wie überfüllte Hörsäle, willkürliche Knockout-Prüfungen und andere Widrigkeiten an den Unis desillusioniert. ÖH: "Purer Aktionismus"

Naturgemäß wenig Freude mit dem Misstrauensantrag der AG hat der stellvertretende ÖH-Chef Ralph Schallmeiner (GRAS). Dieser sei "purer Aktionismus, um von der eigenen Unfähigkeit abzulenken". Die AG solle bedenken, "dass sie einmal eine Studentenfraktion war und kein Büttel der Regierung", so Schallmeiner gegenüber der APA. Offenbar wüssten die bürgerlichen Studenten nicht mehr, was sie tun sollten. Ein Erfolg des Misstrauensantrags ist unwahrscheinlich. In der Bundesvertretung verfügen GRAS und VSStÖ über eine Mehrheit von 24 der 45 Mandate. Gestützt werden könnte diese Mehrheit außerdem von den Kommunistischen StudentInnen (KSV) - vor allem, weil es um die Ablehnung eines AG-Antrags geht. (APA/red)

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