Frühpensionierung aufgrund psychischer Krankheit

27. Jänner 2004, 13:32
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Und zwei Millionen Krankenstandstage jährlich - Tendenz steigend

Wien – Psychische Erkrankungen verursachen pro Jahr rund zwei Millionen Krankenstandstage und 60.000 Frühpensionierungen. Bei Befragungen in fünf großen oberösterreichischen Unternehmen bezeichneten sich rund 50 Prozent der Menschen als so überlastet, dass sie psychische oder psychosomatische Symptome wie Ängste oder Schlaf- und Konzentrationsstörungen aufweisen.

Dem seit Jahren immer deutlicher werdenden Problem der psychischen Belastungen am Arbeitsplatz will die Organisation pro mente zu Leibe rücken und bietet Unternehmen und Mitarbeitern Hilfe in Form von Publikationen und Schulungen.

Berufliches Integrationsmanagement

Das am Dienstag bei einer Pressekonferenz in Wien vorgestellte Projekt läuft unter dem Titel "Berufliches Integrationsmanagement" und wird vom Bundessozialamt mit 300.000 Euro aus der Behindertenmilliarde finanziert. Seitens pro mente beteiligen sich die Landesorganisationen von sieben Bundesländern, ausgenommen sind Niederösterreich und das Burgenland.

Ziel der Maßnahmen ist es, Wirtschaftsbetriebe bezüglich der psychischen Gesundheit ihrer Mitarbeiter zu informieren und zu sensibilisieren. Erste Erfahrungen im Rahmen des Projekts haben gezeigt, dass die Initiatoren sozusagen auf eine Marktlücke gestoßen sind: "Viele Betriebe sind froh, dass wir das Thema ansprechen", sagte Univ.-Doz. Dr. Werner Schöny pro mente-Obmann und Direktor der Landes-Nervenklinik Wagner-Jauregg in Linz.

Unternehmer selbst betroffen

Denn die Unternehmer selbst sind eher überfordert, wenn es um Fragen psychischer Gesundheit der Mitarbeiter, seelische Belastungen etwa durch Angst vor Arbeitsplatzverlust, Stress, Burnout oder Alkohol am Arbeitsplatz geht. Die Betroffenen selbst leiden unter Vorurteilen und Stigmatisierung, was unter Umständen zur Folge hat, dass sie zu spät in Behandlung kommen oder die Therapie nicht wissenschaftlichen Kriterien entspricht.

pro mente hat als ersten Schritt den Ratgeber "Zwischen 8 und 5 – Psychische Gesundheit am Arbeitsplatz" herausgegeben. Als gezielte Schulungsmaßnahmen in den Betrieben werden Workshops vorbereitet. Deren Zielgruppe sind Manager, Führungskräfte und Personalleiter. Themen sind unter anderem richtiges Verhalten in der Krise, Krisenintervention, Früherkennung, Personalführung und Betriebsklima. Dazu gibt es noch Impulsveranstaltungen in allen Bundesländern. (APA)

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