Martin Walser

29. Jänner 2004, 11:48
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Partylöwe ist er keiner. Die Zeit, die andere dort vergeuden, braucht der 1927 in Wasserburg am Inn geborene Martin Walser für sein Lesen: In seiner Autobiografie "Ein springender Brunnen" (1998) liest das Kind im Krieg am Dachboden Hölderlin und überhaupt alles, was dagegen ist, gegen die da draußen. Zwingend der eigene Lebensweg danach: Studium beim Hölderlin-Herausgeber Friedrich Beissner in Tübingen, abgeschlossen mit einer Kafka-Dissertation, die immer noch zur Standardausstattung gehört: "Beschreibung einer Form".

Im eigenen Werk beschrieb Walser seit "Ehen in Philippsburg" (1957) und seiner Anselm-Kristlein-Trilogie die Form des deutschen Mittelstands, die Brutalität im Glatten, die Verzweiflung im alltäglichen Erfolg, Ausbrechversuche, Wirbel am Bodensee, wo Walser seit Jahrzehnten lebt und auf den er die zerbrechenden Paare in "Ein fliehendes Pferd" (1978) schickt. Aus Kontroversen kennt "man" Walser; aber heute, im Gespräch mit Stefan Gmünder (DER STANDARD) ist ein anderer Walser kennen zu lernen. (rire/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 27. 1. 2004)

Buch und Wein, 4., Schäffergasse 13a

Informationen: (01) 961 95 53. 19.30.
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