Aventis warnt vor massivem Jobabbau

29. Jänner 2004, 15:19
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12.000 Stellen in Gefahr - Aufsichtsrat tagt am Mittwoch zu feindlichem Offert von Sanofi

Paris/Frankfurt/Berlin - Das französisch-deutsche Pharmaunternehmen Aventis sieht nach einer Übernahme durch den kleineren Konkurrenten Sanofi-Synthelabo bis zu 12.000 Arbeitsplätze in Gefahr. Nach Informationen aus unternehmensnahen Kreisen wird der Aventis-Aufsichtsrat am Mittwoch über die Abwehr der feindlichen Übernahme-Offerte von Sanofi im Volumen von fast 50 Mrd. Euro beraten. Zudem wolle Aventis die Investoren kommende Woche vom Wert seiner Medikamenten-Pipeline überzeugen, hieß es.

Bis zu 12.000 Stellen in Gefahr

"Nach Aventis-Schätzungen gehen die Synergien von 1,6 Mrd. Euro (jährlich) einher mit 10.000 bis 12.000 Stellenkürzungen oder zehn Prozent der beiden Gruppen", sagte ein Aventis-Sprecher am Dienstag. In Deutschland arbeiten rund 9.000 Menschen für Aventis Pharma, weltweit hat Aventis etwa 71.000 Beschäftigte. Mögliche Auswirkungen einer Übernahme auf die Deutschland-Tochter ließ ein Sprecher unkommentiert. "Es ist zu früh dazu etwas zu sagen. Das wären Spekulationen." Bei einem Zusammenschluss der beiden größten Arzneimittelfirmen Frankreichs entstünde ein Pharmariese, der mit der britischen GlaxoSmithKline weltweit um Platz Zwei in der Branche hinter dem US-Unternehmen Pfizer streiten würde.

Verschmelzung Hoechst mit Rhone-Poulenc

Aventis war erst im Jahr 2000 aus der Verschmelzung des Frankfurter Hoechst-Konzerns mit Rhone-Poulenc hervorgegangen. In Deutschland arbeitet der überwiegende Teil - etwa 7.800 Beschäftigte - im Rhein-Main-Gebiet. Im Frankfurter Stadtteil Höchst ist Aventis in der Forschung und Entwicklung, in der Produktion von Wirkstoffen und in der Fertigung der Medikamente tätig. Sanofi hat in Deutschland dagegen nur rund 1.000 Beschäftigte, die Zentrale liegt in Berlin. Weltweit hat Sanofi etwa 32.000 Mitarbeiter. In Österreich sind beide Unternehmen nur mit Vertriebstöchtern aktiv, Aventis beschäftigt hier 210 Mitarbeiter, Sanofi rund 70.

Doppelter Umsatz

Aventis erwirtschaftet rund doppelt so viel Umsatz wie Sanofi, der Börsenwert beider Unternehmen ist aber etwa gleich hoch. Bei der Aventis-Aufsichtsratssitzung am Mittwoch werde die Strategie zur Abwehr des Übernahmeangebots ausgelotet, hieß es in den unternehmensnahen Kreisen. Der Aventis-Vorstand hatte am Dienstag die feindliche Offerte als zu niedrig zurückgewiesen.

Aventis will nun offenbar zudem bereits bei Vorlage der Geschäftszahlen für 2003 am 5. Februar eine Übersicht über wichtige Projekte aus der Medikamenten-Pipeline geben. "Das Unternehmen wird die Präsentation der Zahlen dazu nutzen, seine Strategie und Performance sowie die Erwartungen herauszustellen und zu betonen, was es in den nächsten paar Jahren leisten kann", hieß es in den Kreisen. Dazu zähle auch die Stärke der Medikamenten-Pipeline. Seinen Forschungs- und Entwicklungstag, an dem die Firma über die Forschungsprojekte informieren will, hatte Aventis für Mai angesetzt.

Politische Hintergründe

Einen Tag nach dem Übernahmeoffert werden nun auch immer deutlicher die politischen Hintergründe des Deals sichtbar: Der Fusionsplan erfreut sich in Frankreich offenbar auch der Unterstützung höchster politischer Stellen. Jetzt meldet sich auch in Deutschland die Politik zu Wort. "Die Bundesrepublik Deutschland hat ein hohes Interesse daran, dass der Standort Aventis in Deutschland nicht geschwächt, sondern sogar gestärkt wird", erklärte der deutsche Wirtschaftsminister Wolfgang Clement (SPD) heute. Berlin führe in dieser Frage Gespräche mit der französischen Regierung und mit einzelnen Unternehmen, sagte er. Es gehe um 9.000 Arbeitsplätze in Deutschland. (APA/Reuters)

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