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Die bisherigen (grün) und die neu hinzu kommenden (orange) Mitgliedsländer der EU
Im Konflikt zwischen der Förderung wirtschaftlichen Wettbewerbs und Fortschritten in Richtung nachhaltiger Entwicklung besteht die Gefahr, dass durch die Entscheidung für den Wettbewerb die nachhaltige Entwicklung ins Hintertreffen gerät. In diesem Spannungsfeld soll nachhaltigkeits-orientierte Forschung aufzeigen, wie eventuell Gemeinsamkeiten und Wege zwischen den beiden Zielen gefunden werden können.
Das Monatsthema Jänner auf www.nachhaltigkeit.at beschäftigt sich mit der Rolle von nachhaltigkeitsorientierter Wissenschaft im EFR. Kann diese dazu beitragen, das Lissabon-Ziel der "wettbewerbsfähigsten und dynamischsten wissensbasierten Gesellschaft und Wirtschaft der Welt" zu erreichen? Weiters werden aktuelle Nachhaltigkeitsforschung in Österreich und wichtige Projekte und Programme vorgestellt. Sechs GastkommenatorInnen aus Wissenschaft und Verwaltung geben Einblicke in nachhaltige Forschung- und Technologieentwicklung in Österreich und Europa.
Wettbewerb oder nachhaltige Entwicklung
Die politischen Zielsetzungen innerhalb der Union gehen in unterschiedliche Richtungen, dies zeigt sich auch am Beispiel des Europäischen Forschungsraums (EFR) und der Nachhaltigkeitsproblematik.
Einerseits zeugt das sogenannte Lissabon-Ziel – die "wettbewerbsfähigste und dynamischste wissensbasierte Gesellschaft und Wirtschaft der Welt" zu werden – vom Willen zum globalen Wettbewerb. Dies ist auch das derzeit wichtigste Leitmotiv für die Forschungs- und Technologieentwicklungspolitik. Finanziell wurde dieses Motiv in den Zielen von Barcelona – 3 Prozent des BIP für FTE-Investitionen aufzuwenden – festgelegt. Strukturell dienen das Konzept des europäischen Forschungsraums und das 6. Rahmenprogramm der EU für FTE der Umsetzung für eine effiziente Forschung in Europa. (Kubeczko und Weber)
Andererseits wurde fast zeitgleich die "Strategie der Europäischen Union für die Nachhaltige Entwicklung" beschlossen, wo das Drei-Säulen-Modell der Nachhaltigkeit als ein horizontales Politikziel, das alle Politikbereiche der Union durchdringen soll, verankert ist. "Diese beinahe parallel stattfindenden Entwicklungen zeigen die Vielfalt von teilweise widersprüchlichen Interessen innerhalb der europäischen Union, die auch im 6. RP gut erkennbar ist." (Gabriel)
Im Konflikt zwischen der Förderung wirtschaftlichen Wettbewerbs und Fortschritten in Richtung nachhaltiger Entwicklung besteht die Gefahr, dass durch die Entscheidung für den Wettbewerb die nachhaltige Entwicklung ins Hintertreffen gerät. In diesem Spannungsfeld soll nachhaltigkeits-orientierte Forschung aufzeigen, wie eventuell Gemeinsamkeiten und Wege zwischen den beiden Zielen gefunden werden können.
Nachhaltigkeitsorientierte Forschung ...
Nachhaltigkeits-orientierte Forschung koordiniert und moderiert gesellschaftliche Prozesse in Richtung einer nachhaltigen Entwicklung – eines ihrer Hauptmerkmale ist dabei das Streben nach einer Verringerung der absoluten Größen von Umweltbelastungen. Die Verringerung des Materialeinsatzes ist übrigens auch ein wichtiges Argument für Nanotechnologieforschung. Eine zentrale Rolle spielt die Kommunikation und das gemeinschaftliche Arbeiten mit allen relevanten Akteuren, wodurch das Bewusstsein für Nachhaltigkeitsprinzipien in der Gesellschaft verbreitet werden soll.
Das besondere Merkmal nachhaltigkeitsorientierter Forschung ist, dass sie alternative systemische Lösungen zu finden versucht.
... für den europäischen Forschungsraum
Durch den systemischen Ansatz ist Nachhaltigkeitsforschung im Besonderen geeignet, die Auswirkungen von Forschung auf alle anderen EU-Politikbereiche abzuschätzen, welches auch ein Hauptziel des EFR ist. "Gerade für die Verbreitung nachhaltiger Produktions- und Nutzungssysteme sind Verhaltens- und Strukturveränderungen erforderlich ("Systeminnovationen"), deren Erforschung bislang noch in den Anfängen steckt." (Kubeczko und Weber)
Während heutige Problemfelder (etwa der Klimawandel, oder die alternde Bevölkerung) klar auszumachen sind, müssen für Problemfelder der Zukunft erst Entscheidungsverfahren gefunden werden. Entscheidend wird dabei sein, ob es gelingt, Politikintegration und weitgehende Partizipation von Stakeholdern auch in der Forschungs- und Innovationspolitik zum Durchbruch zu verhelfen.
Die Umsetzung des EFR kann durch die Intensivierung von nachhaltigkeits-orientierter Forschung beschleunigt werden, wobei insbesondere der Austausch von Ergebnissen und Erfahrungen, der Transfer von Vorzeigeprojekten und die Förderung der Zusammenarbeit zwischen den Mitgliederstaaten eine wichtige Rolle spielen, um eine effektivere Nutzung der Forschungskapazitäten zu erreichen. Erfolgreiche nachhaltigkeits-orientierte Forschung kann dazu beitragen, Veränderungen im Forschungsumfeld, in der Forschungspolitik und in den Forschungskapazitäten im EFR einzuleiten. Nachhaltigkeitsorientierte Forschungsprogramme können genutzt werden, um Humankapital und Forschungskapazitäten aufzubauen, welche eine Vorraussetzung für die Umsetzung einer nachhaltigen Entwicklung in Europa sind. Dazu werden im "Thema des Monats" auch nationale Programme und Initiativen vorgestellt.
Das Instrument, das derzeit dem Konzept EFR Leben einhaucht, ist das 6. Forschungsrahmenprogramm der EU – darin ist nachhaltigkeits-orientierte Wissenschaft als kleiner Teilbereich im Gesamtsystem konventioneller Wissenschaften eingebettet. "Dies manifestiert sich nicht zuletzt in der stark wissenschafts- und technologielastigen und disziplinären Ausrichtung des 6. Rahmenprogramms, die eine Rückkehr zu einen Innovationsmodell widerspiegelt, das man eigentlich mit den späten achtziger Jahren verlassen zu haben glaubte." (Kubeczko und Weber)
Nachhaltigkeit ist also als horizontales Ziel noch immer nicht in Politik und Institutionen verankert.
Österreich hat in der Nachhaltigkeitsforschung einen guten internationalen Ruf zu verteidigen: Damit Chancen für nachhaltigkeits-orientierte Forschung im EFR weiter genutzt werden können, müssen hierzulande hochrangige Forschungskapazitäten und kompetente und international vernetzte Forschungsorganisationen gestärkt werden, sowie eine gemeinsame Linie in der Forschungspolitik verfolgt werden. (Sophie Strasser)
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