Kopf des Tages: Gottesfürchtiger US-Minister

28. Jänner 2004, 16:26
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John Ashcroft stattet seinem Kollegen Ernst Strasser einen Besuch ab

Er trinkt nicht, er raucht nicht - und er tanzt nicht einmal. Aber er liebt Musik: Während seiner Amtszeit als republikanischer Senator des südlichen Bundesstaates Missouri war er Teil des Quartetts "Singing Senators", und nach den Terrorattacken des 11. September 2001 komponierte er ein inspirierendes Lied, "Let the eagle soar" ("Lasst den Adler sich emporschwingen"), das er auch gerne selbst vorträgt.

Der US-Justizminister, den Richard Cohen von der Washington Post einmal den "beängstigendsten Mann in der Regierung" nannte und dessen Programme sogar der konservative Kolumnist William Safire als "Ausbeutung der Angst" bezeichnete, ist noch immer der umstrittenste Mann in der Bush-Regierung.

Als Mitglied der Sekte "Assemblies of God" predigte er auch von seinem Ministersessel aus religiöse Intoleranz und geriet bald nach seinem Amtsantritt ins Kreuzfeuer der Kritik: Zum einen ließ er während seiner Pressekonferenzen den nackten Busen einer Statue von Justitia durch einen Vorhang verhängen, um die anwesenden Journalisten nicht abzulenken. Zum anderen hielt er in seinem Büro tägliche Bibelstunden, bei denen die Teilnahme zwar freiwillig war. Die Beamten des Justizministeriums sahen das aber bald als Druckmittel.

John Ashcroft wurde 1942 in Chicago geboren, seine Familie zog aber bald nach Missouri in die Nähe des Hauptquartiers der Sekte "Assemblies of God", wo Vater und Großvater Ashcroft hochrangige Positionen einnahmen. Ashcroft studierte an der angesehenen Yale University und erhielt sein Jusdoktorat an der University of Chicago, wo er auch seine Frau Janet Elise Roede kennen lernte.

1976 wurde er zum obersten Justizbeamten von Missouri und 1984 zum Gouverneur des Staates gewählt, eine Stelle, die er bis 1992 innehielt. 1994 trat er in den US-Senat ein, verlor jedoch bei den Wahlen des Jahres 2000 gegen die Witwe des tödlich verunglückten demokratischen Widersachers Mel Carnahan.

Als Trostpflaster wurde er von dem neu gekürten Präsidenten George W. Bush unter lauten Protesten der linken US-Reichshälfte zum Justizminister bestellt - sogar in der konservativen Bush-Regierung gilt Ashcroft als Rechtsaußen. Seine Religion lehrt etwa, dass Homosexualität gottlos sei und Krankheiten verursache. Das Tanzen unter Heterosexuellen sei zu vermeiden, weil es zu Bösem führe.

Nach dem 11. 9. 2001 gelang es Ashcroft, den so genannten Patriot Act zur Bekämpfung des Terrors im Kongress durchzusetzen. Er wird jedoch auf Schwierigkeiten stoßen, wenn dieser erneuert werden soll, da Bürgerrechtler stets darauf hingewiesen haben, dass der "Patriot Act" die Rechte der Bürger empfindlich einschränke. Ashcroft und seine Frau haben drei Kinder und ein Enkelkind. (Susi Schneider/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 27.1.2004)

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