Schulden belaufen sich auf 14,3 Milliarden Euro

27. Jänner 2004, 09:31
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Schock für Sanierer Bondi - Schwere Vorwürfe gegen Tanzis Tochter Francesca

Rom - Fünf Wochen nach der Insolvenz des italienischen Nahrungsmittelunternehmens Parmalat sorgt der erste offizielle Bericht über den Stand der Firmenkassen für einen Eklat. Aus einem Bericht, den die Wirtschaftsprüfer von PricewaterhouseCoopers (PwC) dem neuen Parmalat-Chef und Insolvenzkommissar Enrico Bondi vorlegten, geht hervor, dass die Nettoschulden des Konzerns per 30. September 2003 bei 14,3 Mrd. Euro lagen. Bisher hatten die Prüfer in den Parmalat-Kassen ein Minus von rund 13 Mrd. Euro vermutet. In der Bilanz waren Aktiva im Wert von nur rund 1,8 Mrd. Euro verbucht.

Umsatzschwindel

Aus dem Bericht geht hervor, dass der Umsatz des Unternehmens in den ersten drei Quartalen 2003 4,002 Mrd. Euro betrug. 2002 lag der Umsatz tatsächlich nur bei 6,202 Mrd. Euro, statt der vom Konzern angegebenen 7,722 Mrd. Euro. Der Vorsteuergewinn betrug laut PwC von Jänner bis Ende September 2003 rund 121 Mio. Euro. In der Parmalat-Bilanz waren jedoch 651 Mio. Euro verbucht worden.

Trotz der desaströsen Finanzlage sei Parmalat vom industriellen Standpunkt aus betrachtet ein gesundes Unternehmen. Der Verkauf von Milchprodukten sei auf dem Hauptmarkt Italien in den ersten drei Quartalen 2003 um 13,8 Prozent gegenüber dem Vergleichszeitraum 2002 gestiegen, hieß es in einer Parmalat-Mitteilung.

Sanierungsplan

Auf Grund des PwC-Berichts über den finanziellen Stand des vom Konkurs bedrohten Konzerns wird Bondi im Februar einen Sanierungsplan verfassen, den er der Regierung vorlegen muss. Die Regierung hatte Bondi kurz vor Weihnachten mit der Rettung des Unternehmens beauftragt, das weltweit 36.000 Personen in 139 Produktionsanlagen beschäftigt. Parmalat ist Italiens siebtgrößte Privatgruppe.

Tanzi wieder im Gefängnis

Parmalats Firmengründer, Calisto Tanzi, wurde am Montag von den Ermittlern erneut vernommen. Er hatte am Sonntagabend das Mailänder Krankenhaus Fatebenefratelli verlassen und befindet sich wieder in der Strafanstalt San Vittore. Der am 27. Dezember verhaftete Großindustrielle, dem unter anderem betrügerischer Bankrott und Bildung einer kriminellen Vereinigung vorgeworfen wird, war am Freitag wegen angeblicher Herzbeschwerden ins Spital eingeliefert worden.

Inzwischen gerät auch Tanzis Tochter Francesca, Ex-Chefin der Tourismusfirma Parmatour, immer stärker unter Druck. Der Ex-Finanzchef von Parmalat, Fausto Tonna, der als Drahtzieher im Bilanzskandal gilt, berichtete, dass die 36-jährige Francesca Tanzi bereits seit mindestens fünf Jahre über die Bilanzfälschungen bei Parmalat Bescheid gewusst habe, auf Grund derer die Gruppe die kostspieligen Aktivitäten der schwer verschuldeten Tourismusfirma finanzieren konnte. Tonna belastete mehrere Mitarbeiter Francesca Tanzis, die über die Bilanzfälschungen informiert waren, hieß es aus Ermittlerkreisen.

Bassi-Leiche obduziert

In Parma wurde am Montag die Leiche des Parmalat-Buchhalters, Alessandro Bassi, obduziert. Der 42-jährige Bassi, ein enger Mitarbeiter des inhaftierten ehemaligen Parmalat-Finanzchefs Fausto Tonna, war am Freitagnachmittag in der Nähe von Parma von einer Straßenbrücke gesprungen. Die Dokumente, die in Bassis Auto gefunden wurden, seien für die Untersuchung nicht relevant, sagte die Staatsanwältin Antonella Ioffredi, die in der Parmalat-Insolvenz ermittelt. (APA)

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