Tanzi wieder in Mailänder Strafanstalt

26. Jänner 2004, 16:51
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Ex-Finanzchef Tonna belastet Tochter des Großindustriellen - Selbstmord eines Parmalat-Buchhalters wird weiter untersucht

Rom - Der Firmengründer des insolventen italienischen Nahrungsmittelkonzerns Parmalat, Calisto Tanzi, hat am Sonntagabend das Mailänder Krankenhaus Fatebenefratelli verlassen und ist wieder in die Strafanstalt San Vittore zurückgekehrt.

Der am 27. Dezember verhaftete Großindustrielle, dem unter anderem betrügerischen Bankrotts und Bildung einer kriminellen Vereinigung vorgeworfen wird, war am Freitag wegen angeblicher Herzbeschwerden ins Spital eingeliefert worden.

Weitere Vernehmungen

Nach mehreren ärztlichen Kontrollen wurde er wieder in die Strafanstalt von San Vittore zurückgebracht, berichteten die Ermittler. Am Montag ist eine weitere Vernehmung durch die Mailänder Staatsanwälte vorgesehen.

Die Staatsanwälte wollen vor allem Informationen über die Verbindungen zwischen Parmalat und den Gläubigerbanken sammeln. Am Freitag war der Mailänder Sitz der Deutschen Bank durchsucht worden.

Ex-Chefin von Parmatour unter Druck

Inzwischen gerät auch Tanzi Tochter Francesca, Ex-Chefin der Tourismusfirma Parmatour, immer stärker unter Druck. Der Ex-Finanzchef Parmalats, Fausto Tonna, Drahtzieher im Skandal um das Verschwinden von zirka 13 Mrd. Euro, berichtete, dass die 36-jährige Francesca Tanzi bereits seit mindestens fünf Jahre über die Bilanzfälschungen bei Parmalat Bescheid gewusst habe, dank denen die Gruppe die kostspieligen Aktivitäten der schwer verschuldeten Tourismusfirma finanzieren konnte. Tonna belastete mehrere Mitarbeiter Francesca Tanzis, die über die Bilanzfälschungen informiert waren, hieß es aus Ermittlerkreisen.

Selbstmord wird untersucht

Inzwischen wird der Selbstmord des Parmalat-Buchhalters Alessandro Bassi weiterhin ermittelt. Der 42-jährige Bassi, ein enger Mitarbeiter des inhaftierten ehemaligen Parmalat-Finanzchefs Fausto Tonna, war am Freitagnachmittag in der Nähe von Parma von einer Straßenbrücke gesprungen.

Die Dokumente, die in Bassis Auto gefunden wurden, seien für die Untersuchung nicht relevant, sagte die Staatsanwältin Antonella Ioffredi, die wegen der Parmalat-Insolvenz ermittelt. Die Ermittler vermuten, dass Bassi als Strohmann für unklare Parmalat-Geschäfte eingesetzt worden war und dass er daher befürchtete, in den Sog des Skandals zu geraten. (APA)

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