Schwarzer Tag für Portugals Fußball

29. Jänner 2004, 12:13
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Ungarns Benfica-Stürmer Miklos Feher erlag während eines Liga-Spiels nur wenige Sekunden vor dem Abpfiff einem Herzinfarkt

Lissabon/Budapest - Trauer und Bestürzung hat der Tod des ungarischen Fußball-Nationalspielers Miklos Feher (24) von Benfica Lissabon im Meisterschaftsspiel am Sonntag bei Vitoria Guimaraes (1:0) ausgelöst. Die Tragödie begann in der Nachspielzeit: Benfica erzielte in der 91. Minute das 1:0. Der in der 60. Minute eingewechselte "Miki", wie der Ungar von seinen Kameraden genannt wurde, wollte daraufhin Zeit schinden und erhielt vom Schiedsrichter die Gelbe Karte. Feher reagierte - in der Vorfreude auf den Sieg - mit einem Lächeln und drehte sich zur Seite. Plötzlich knickten seine Beine ein, und er sank wie leblos auf den Rasen. Die Mannschaftsärzte unternahmen noch auf dem Platz erste Wiederbelebungsversuche. Etwa 15 Minuten später wurde der Ungar mit einem Notarztwagen in ein Krankenhaus gebracht, wo er schließlich verstarb. "Bis 23.11 Uhr wurde er reanimiert, aber ohne Erfolg", teilte ein Krankenhaus-Sprecher mit. Als Todesursache stellten die Ärzte in der Nacht zum Montag einen Herz- und Atemstillstand fest.

Defibrillator konnte nicht eingesetzt werden

Anfangsvermutungen, die Arena in Guimaraes habe nicht über moderne Erste-Hilfe-Ausrüstungen verfügt, bestätigten sich nicht. Es war sogar ein Defibrillator vorhanden, das Gerät wurde wegen des heftigen Regens aber nicht eingesetzt. "Es hätte bei der Nässe so gewirkt, als würde man einen Fön in die Badewanne halten", sagte ein Mediziner.

Entsetzen bei Spielern

Im Stadion von Guimaraes, in dem im Juni auch Spiele der Europameisterschaft in diesem Jahr stattfinden, hatte der Zusammenbruch des Magyaren am Sonntag großes Entsetzen ausgelöst. Einige Spieler liefen hilflos umher, andere hielten sich die Hände vors Gesicht und weinten vor Verzweiflung. Auch Benfica-Coach Jose Antonio Camacho, Spaniens ehemaliger Nationaltrainer, ließ seinen Tränen freien Lauf. "Das 1:0 war Benficas traurigster Sieg der Vereinsgeschichte", schrieb die Zeitung "Publico". Verbandspräsident Gilberto Madail erklärte: "Dies ist ein schwarzer Tag für den Fußball in Portugal." Benfica entschied, Fehers Rückennummer 29 nie mehr an einen anderen Spieler zu vergeben. Am Wochenende werden in allen Spielen in Portugal Gedenkminuten für den Ungarn eingelegt.

Schock für Lothar Matthäus

Auch die ungarische Verbandsführung und Nationaltrainer Lothar Matthäus waren geschockt, als sie am Montagmorgen auf Malta die Schreckensnachricht erhielten. "Wir sind alle sehr berührt. Das ist ein Schicksalsschlag für uns alle. Da tritt alles andere in den Hintergrund", sagte der 150-malige deutsche Nationalspieler und fügte an: "Seine Familie verdient jede Unterstützung. Uns beschäftigt jetzt, was wir machen und wie wir helfen können.". Matthäus hält sich derzeit mit der ungarischen Verbandsspitze auf Malta auf, um dort Termine für die WM-Qualifikation 2006 abzusprechen.

Karriere im Nationalteam

Feher gehörte auch zur Auswahl der ungarischen Nationalmannschaft, die seit diesem Jahr von Trainer Lothar Matthäus betreut wird. In 18 Länderspielen für den Vize-Weltmeister von 1938 und 1954 erzielte der in Tatabanya geborene Stürmer sechs Tore. "Ich kenne ihn seit vier Jahren, damals spielte er noch in der 'U21'. Er hatte keine Herzprobleme", sagte Ungarns Mannschaftsarzt Dr. Dezso Lejko.

Auch beim FC Porto gespielt

Feher war zur Saison 1998/1999 vom ungarischen Verein Raba Eto Györ zum FC Porto gewechselt. Nach Gastspielen bei SC Salgueiros und SC Braga kam der Angreifer vor der Saison 2002/2003 zum portugiesischen Rekordmeister Benfica Lissabon.

Erinnerungen an Todesfall Foe

Innerhalb von nur sieben Monaten starb damit zum zweiten Mal ein Profi-Fußballer während einer Begegnung. Im Juni vergangenen Jahres war Kameruns Nationalspieler Marc-Vivien Foe beim Halbfinale des Konföderationen-Cups gegen Kolumbien in Lyon ebenfalls auf dem Spielfeld zusammengebrochen und wenig später gestorben. Die Autopsie hatte ergeben, dass Foe an Herzversagen gestorben war; stimulierende Substanzen oder Drogen hatte der Spieler nicht zu sich genommen.(sid)

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    Eintrag ins Kondolenzbuch.

  • Verzweiflung bei den Benfica-Spielern...

    Verzweiflung bei den Benfica-Spielern...

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    ... und Trainer Jose Antonio Camcho.

  • Miklos Feher in Aktion.

    Miklos Feher in Aktion.

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