Der Bibliothekar ist ein Funkchip

25. Jänner 2004, 21:50
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Anwendungen von RFID gesucht: Im Supermarkt ist die Technologie noch Zukunftsmusik

Direktor Alfred Pfoser zeigt sich begeistert vom Einsatz von RFID in seiner Hauptbibliothek am Wiener Urban-Loritz-Platz: 40 Prozent aller Entlehnungen nehmen die Benutzer schon vollautomatisch vor - "alles funktioniert sehr gut", sagt Pfoser. 240.000 Bücher sowie 60.000 CDs und DVDs wurden vor Eröffnung der neuen Bibliothek vergangenen April mit Funkchips ausgestattet, die Informationen wie Exemplarnummer, Autor, Bibliothekskennung, Standort in der Bibliothek und eben Ausleihstatus speichern. Zum Ausborgen geht der Benutzer zu einem von sechs EasyCheck-Terminals, an denen die begehrten Medien von der Empfängereinheit auf das Kundenkonto aufgebucht werden. Die Rücknahme muss - noch - durch die Bibliotheksmitarbeiter erfolgen. Pfoser betont aber, dass über eine Lösung - etwa das automatische Abbuchen einer Strafgebühr vom Konto des Benutzers - schon nachgedacht werde.

Was sich für die Wiener Hauptbibliothek offensichtlich bezahlt macht, wird nach Expertenmeinung in Supermärkten noch länger auf seinen flächendeckenden Einsatz warten. Der Grund dafür liegt neben fehlenden Standards bei der Codierung (Wissen) und dem mangelnden Konsumentenvertrauen hauptsächlich im Preis. Denn auch für die billigsten RFID-Einheiten muss man derzeit noch zwischen 20 und 40 Cent bezahlen - eindeutig zu viel für Waren wie Kaugummi-oder Milchpackerln, die selbst nur wenig mehr kosten.

Damit sich der breite Einsatz im Supermarkt wirklich rechnet, müsste der Preis auf bis zu einem Cent sinken. "Zehn bis 15 Jahre kann es aus unserer Sicht noch dauern, bis RFID für die breite Produktpalette eingesetzt werden kann", meint Albrecht von Truchseß vom deutschen Handelskonzern Metro. Zwar testet Metro seit April 2003 im Future Store RFID an ausgewählten Produkten, der Fokus liege aber in Zulieferung und Lagerbewirtschaftung. So müssen ab November 2004 zunächst rund 100 Lieferanten ihre Paletten mit den Funkchips versehen. Außerdem sollen Lagerbestände von rund 250 Märkten mit RFID-Etiketten ausgestattet werden. Bei den Supermarktketten Billa und Spar laufen derzeit keine RFID-Vorbereitungen. (ez/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 26. 1. 2004)

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