Ernster Spaß, spaßiger Ernst

28. Jänner 2004, 21:44
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Klavierkünstler bei der Mozartwoche 2004

Salzburg - Zwei namhafte Pianisten und in Personalunion von Klavierspieler und Dirigent auch energische, anheizende Orchesterleiter: Murray Perahia und András Schiff! Zum Beginn der Mozartwoche 2004 bestätigten die beiden Künstler, wie grundverschieden, wie begründet andersartig man sich den Werken des gefeierten Musikpatrons der Salzachmetropole zu nähern vermag. Murray Perahia im Großen Festspielhaus mit der Camerata Academica befleißigt sich des Ernsten - zumal im c-Moll-Klavierkonzert KV 491 - in einer bewegt-seriösen Formalität, die im Weichen und Fließenden, aber auch im exakt Pointierten den Spaß am gemeinnützigen Musizieren erkennen lässt.

Aber im Vordergrund bei diesem und auch bei den anderen Werken von Bach (Klavierkonzert d-Moll) und Haydn (Oxford-Sinfonie Nr. 92) regiert in jeder gewollten und erlangten Note die Botschaft einer dank Arbeit, Vorbereitung und momentaner Erleuchtung beschwörten Strenge. Bei aller Leichtigkeit und gelegentlich auch bei aller Allzuleichtigkeit des Tempos (zumal im Bach-Konzert!) scheinen sich bei Perahia die ihm anvertrauten Stücke als schöne Bürde aufzutürmen, die es - hier mit der wohlgestimmten Camerata - zu bewältigen gilt.

András Schiff hingegen erfreut sich in den für diese Klavierkonzert-Folge VI ausgewählten Konzerten KV 415, 459 und 503 der gleitenden und charmant, aber auch scharf akzentuierenden Sicherheit eines Interpreten, der sich - gleich einem Fisch im Bösendorfer-Aquarium - seit Jahren bei Mozart mehr und mehr zu Hause fühlt.

Mit seiner eigens für das feine Mozart-Gewerbe zusammengerufenen Capella Andrea Barca reguliert er selbst die ernsteren Passagen der Konzerte zum Spaß - freilich zu einem schönen, ja heiligen Vergnügen, wenn es die flinken, von Bach-geschulter "Linker" ungemein plastisch herausgehobenen Themen und Gegenstimmen erlauben, ja geradezu provozieren.

Von den drei Konzerten geriet jenes in F-Dur (KV 459) in den Ecksätzen extrem eilig, ja verhetzt. Stolz und auch vom Orchester glanzvoll etabliert am Ende das große C-Dur-Konzert mit seinen Marseillaise-Anklängen. Schiff zog alle Register eines turtelnden, kantablen Klavierkommunizierens - zum Spaß seiner Mitwirkenden, zur Freude eines jubelnden Publikums, an dessen Differenzierungswillen man einmal (siehe KV 459) einmal zweifeln mochte.

Zur Zukunft: Für die Mozartwoche 2005 bietet die Internationale Stiftung (Stephan Pauly) zwei konzertante Opern (Idomeneo unter Harding, Zaide unter Harnoncourt). Die Wiener Philharmoniker gastieren mit den Dirigenten Philippe Jordan, Zubin Mehta und Charles Mackerras. Pianisten wird es zur Genüge geben: Bronfman, Lonquich, Sokolov, Lang Lang, Buchbinder, Schiff, Vogt - aber auch an Geigern herrscht mit Kremer, Repin, Zehetmair und Rachlin kein Mangel. (Peter Cossé/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 26. 1. 2004)

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