Bonds mit eingebautem Schutz

22. Februar 2005, 20:11
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Fonds oder Einzeltitel: Wie inflationsindexierte Anleihen funktionieren - Mit Infografik

Der Preis einer herkömmlichen Anleihe fällt bei zunehmendem Wirtschaftswachstum, dem folglich ansteigenden Zinsniveau und anziehender Inflation. Inflationsindexierte Anleihen reagieren dagegen nur auf Veränderungen des realen Zinsniveaus und nicht auf Inflationsschwankungen. Der Preis ändert sich somit nur bei Realzinsveränderungen

Erholung sorgt für verstärkte Nachfrage

Der Hintergrund: Die prognostizierte Erholung der Weltwirtschaft und die Erhöhung der Geldmenge (Reflationierung) führt zu erhöhter Nachfrage und zu steigenden Preisen. Der nominale Zinssatz wird durch die steigende Inflation in die Höhe getrieben.

Anleihen ohne Inflationsschutz verlieren durch die Zinssatzerhöhung an Wert. Inflationsindexierte Anleihen bieten jedoch einen Schutz gegen Preissteigerungen, da sich die reale Verzinsung eben nur bei Veränderungen der Erwartungen der Marktteilnehmer ändert. Daher ist dieses Instrument vor allem für Anleger, die steigende Preise und ein schwaches Wirtschaftswachstum erwarten, interessant.

Wie funktionieren solche Anleihen?

In der gängigsten Form werden inflationsindexierte Anleihen mit einem fixen Kupon (Zinszahlung) begeben und die Anpassungen an das Preisniveau werden über den Nennwert vorgenommen. Somit erhöht sich der Nennwert bei steigender Inflation und daher auch die Kuponzahlung, da diese von dem jeweilig höheren Basiswert geleistet wird.

Den zugrunde liegenden Preisindex für solche Produkte stellt in Europa zumeist der harmonisierte Verbraucherpreisindex (HVPI) ohne Tabak dar, der im Oktober 2002 bei 109,2 und im Oktober 2003 bei 110,3 stand. Das entspricht einer Veränderung von einem Prozent.

Somit erhöht sich die Anleihe mit einem Nennwertbetrag von 1000 Euro und einem jährlichen Kupon von 3,25 Prozent auf 1010 Euro. Dieser erhöhte Nennwert wird nun mit 3,25 Prozent verzinst.

4,20 Prozent Rendite

Die derzeitige Rendite einer zehnjährigen Staatsanleihe im Euroraum beträgt ca. 4,20 Prozent. Die Rendite einer inflationsindexierten Anleihe liegt bei 2,05 Prozent. Die implizite Inflationserwartung des Marktes beläuft sich somit auf 2,15 Prozent.

In den USA werden inflationsindexierte Anleihen seit dem Jahr 1997 emittiert. Frankreich startete 1998, Österreich und Italien folgten 2003. Weitere Emittenten sind unter anderem Kanada, Australien, Großbritannien und Schweden. Deutschland wird wahrscheinlich noch im ersten Quartal folgen. Der Markt für dieses Instrument ist im Euroraum noch leicht überschaubar und mit nur einem Prozent des gesamten Anleihenvolumens sehr klein.

Allerdings ist auch die Fondsbranche aktiv geworden: Neben der Credit Suisse Asset Management und der Clariden Bank bietet die Schoellerbank ein Produkt namens Realzins Plus an, das neben dem Inflationsschutz auch Kapitalgarantieprodukte umfasst. (DER STANDARD Printausgabe, 26.01.2004, Christian Baumgartner)

  • Infografik: Auch einzel zu haben: Inflationsgeschützte Staatsanleihen
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    Infografik: Auch einzel zu haben: Inflationsgeschützte Staatsanleihen

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