Thailand: Zweites Todesopfer

27. Jänner 2004, 13:41
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Geflügelpest nun auch in Indonesien - Sechs Todesfälle in Vietnam - Virologe schließt Bedrohung für Reisende aus

Die Vogelgrippe-Epidemie hat in Thailand einen zweiten Menschen das Leben gekostet. Ein sechs Jahre alter Bub sei am Dienstag an der Tierseuche gestorben, teilte das Gesundheitsministerium in Bangkok mit. Die chinesische Nachrichtenagentur Xinhua meldete unterdessen, dass die Regierung in Thailands Nachbarstaat Laos einen Ausbruch der Vogelgrippe in ihrem Land bestätigt habe. Es handle sich aber nicht um den Virustyp H5N1 wie in Thailand oder Vietnam.

Am Dienstag ging auch in Südchina die Angst vor dem Ausbruch der Vogelgrippe um. In der Gemeinde Dingdang in der Region Guangxi, etwa 100 Kilometer von der Grenze zu Vietnam entfernt, wurde aus Angst vor der Tierseuche das gesamte Geflügel getötet.

Übertragung nicht von Mensch zu Mensch

Eine direkte Gefahr für eine sich international ausbreitende Epidemie gibt es derzeit nicht. Ohne eine genetische "Vermischung" der Vogelgrippe-Erreger mit Influenza-Viren des Menschen kann keine Seuche entstehen, weil eine Übertragung von Mensch zu Mensch für eine Epidemie "notwendig" wäre. Bisher wurde das aber nicht beobachtet. Auch für Reisende ist die Vogelgrippe derzeit keine Gefahr, meinen Wiener Reisemediziner.

Unmittelbare Bedrohung für Reisende ausgeschlossen

Erst vor wenigen Tagen stellte zu diesen Fragen Univ.-Prof. Dr. Franz X. Heinz vom Institut für Virologie der Universität Wien in seinen Virusepidemiologischen Informationen fest: "Das Beispiel der Vogelgrippe, die immer wieder Todesfälle beim Menschen verursacht, aber zu keiner weiteren Ausbreitung geführt hat, zeigt, dass das Seuchenpotenzial eines Virus in erster Linie von seiner Fähigkeit abhängt, effizient von Mensch zu Mensch übertragen werden zu können." Dies sei allerdings bei Sars der Fall gewesen. Zur Eindämmung der Vogelinfluenza reicht es offenbar aus, die Tiere in betroffenen Flügelfarmen zu töten.

Auch Fernreisende sollten sich nicht schrecken lassen. "Nach dem gegenwärtigen Stand des Wissens ist eine unmittelbare Bedrohung für Reisende mit Sicherheit auszuschließen, da Hühnerfarmen nicht zu den bevorzugten Besichtigungspunkten bei Fernreisenden zählen. Es ist aber nicht auszuschließen, dass dieses Virus eine weitere Ausbreitung erfährt, oder seine Eigenschaften ändert", schrieb Univ.-Prof. Dr. Herwig Kollaritsch von der Abteilung für Spezifische Prophylaxe und Tropenmedizin der Universität Wien.

Influenza-Medikamente helfen auch gegen Vogelinfluenza

Ein positiver Aspekt: Die ursächlich gegen die "humane" Influenza wirkenden Medikamente - so genannte Neuraminidase-Hemmer wie die Substanz Oseltamivir - helfen auch gegen die Vogelinfluenza. Damit stünden auch Medikamente im Fall des Falles zur Verfügung. Die EU hat für Geflügel aus Thailand ein Importverbot erlassen.

Erst am Montag war in Thailand ein ebenfalls sechs Jahre alter Bub einer Geflügelpest-Infektion erlegen. Fünf "wahrscheinlich" an Vogelgrippe erkrankte Patienten stünden unter ärztlicher Beobachtung, hieß es in Thailand weiter. Außerdem sollen Tests klären, ob fünf vor Kurzem gestorbene Menschen einer solchen Infektion zum Opfer gefallen seien.

In Südostasien sind bisher mindestens acht Menschen an der Geflügelpest gestorben: Sechs in Vietnam und zwei in Thailand. Die Seuche grassiert in mehr als einem halben Dutzend Ländern Asiens. (APA)

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    Auch in Indonesien sind nun Millionen Hühner an der Geflügelpest erkrankt.

  • Die Vogelpest-Epidemie in Thailand hat ein
zweites Menschenleben gefordert.
    foto: epa/dithajohn

    Die Vogelpest-Epidemie in Thailand hat ein zweites Menschenleben gefordert.

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