Digitaler Ausweg aus der Krise?

28. Jänner 2004, 21:42
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In Zeiten, wo Handy-Klingeltöne mehr Geld machen als CDs: Weltweit größte Musikmesse MIDEM in Cannes -Erstmals "European Border Breakers Award" verliehen

Cannes - Erstmals ist am Sonntag auf der Musikmesse MIDEM in Cannes der "European Border Breakers Award" verliehen worden. Mit dem Preis, der auf Initiative der Europäischen Kommission ins Leben gerufen wurde, werden ausschließlich Debüt-Alben von EU-Künstlern prämiert, die die höchsten Verkaufszahlen außerhalb des eigenen Landes erzielten.

Deutsche Metalband Masterplan, Las Ketchup und Carla Bruni ausgezeichnet

Gleich beim ersten Mal gab es hochkarätige Kandidaten: Neben der in Frankreich lebenden Italienerin Carla Bruni und der spanischen Girl Group Las Ketchup wurden auch das belgische Technopop-Trio Lasgo, Fado-Sängerin Mariza (Portugal), der Italiener Tiziano Ferro, die dänische Band Saybia und The Thrills aus Irland sowie die britische Glam-Metal-Combo The Darkness zu "Border Breakers". Für viele überraschend dürfte der Auftritt der vier Langmähnen von Masterplan gewesen sein. Die deutschen Hardrocker nahmen den Preis von GEMA-Chef Reinhold Kreile entgegen.

Nicht einfach nur weiterer Preis, sondern "eine Brücke für den Dialog"

Der Generaldirektor der EU-Kommission für Bildung und Kultur, Nikolaus van der Pas, hatte vor der Verleihung gesagt, dass "dies nicht nur ein weiterer Preis" sein solle, sondern "eine Brücke für den Dialog". Die EU-Kommission wolle hiermit zugleich die Herausbildung einer kulturellen Identität Europas fördern und die der EU-Mitglieder unterstreichen. Er freue sich darauf, dass die Preisträger im nächsten Jahr nach der EU-Erweiterung aus 25 Mitgliedsstaaten ermittelt werden.

Am Vorabend der Eröffnung wurden NRJ Music Awards verliehen

Zum 38. Mal hatte am Sonntag die weltweit größte Musikmesse MIDEM in Cannes ihre Pforten geöffnet. Bei den am Vorabend der MIDEM-Eröffnung verliehenen NRJ Music Awards glänzten bereits Madonna, Kylie Minogue, Dido und Beyonce mit fernsehgerechten Kurz-Auftritten. In den kommenden Tagen werden unter anderem HipHop-Pionier Grandmaster Flash, Soulsänger Keziah Jones und Ben Watt ("Everything but the Girl") in Cannes erwartet.

Das Geld und wie man ran kommt

In knapp drei Dutzend Konferenzen soll über politische und rechtliche Fragen diskutiert werden, aber auch über neue Wege zu den Geldbörsen der Konsumenten. Zu den Vertriebsmodellen gehören nicht nur Handy-Klingeltöne, die bei manchen neuen Hits schon mehr Umsatz für die Industrie schaffen als der klassische CD-Verkauf.

Pre-Paid-Karten für Download-Services wie Apples iTunes und Napster - beide Dienste haben ihren Europa-Start bis Ende 2004 angekündigt - sollen den Verkauf an die jüngste Zielgruppe ermöglichen, die zwar Kaufkraft in Form von elterlichem Geld besitzt, aber keine internetüblichen Zahlungsmittel wie Kreditkarte oder Girokonto. Das Ende der CD scheint jedenfalls besiegelt, nur über den Bestattungstermin wird noch diskutiert. Ein Forrester-Research-Berater empfahl den Plattenfirmen jedenfalls dringend, aus dem "Plastik-Geschäft" auszusteigen.

Länder-Aspekte

Ein weiteres wichtiges MIDEM-Thema sind die EU-Erweiterung und deren Folgen für die Musikindustrie. Länder-Schwerpunkt ist Dänemark, und erstmals gibt es einen "Polnischen Tag" mit zahlreichen Konzerten und einem Gala-Empfang.

Die eigentliche Messe mit rund 2.000 Ausstellern an 300 Ständen aus mehr als 90 Ländern findet bis zum Donnerstag im selben Gebäude statt, das im Mai auch wieder Schauplatz des legendären Filmfestivals sein wird. Doch anders als die Filmbranche, die mit der DVD ein veritables Wachstumsmedium besitzt, hat das Musik-Business - von namhaften Ausnahmen abgesehen - zur Zeit eher wenig zu feiern.

Österreich ist auf Initiative der Wirtschaftskammer bereits zum zehnten Mal auf der Messe vertreten und wird auf zwei Gemeinschaftsständen für die österreichische Musik werben. (APA/AP)

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