Deal zwischen Israel und Hisbollah perfekt

27. Jänner 2004, 13:40
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Gefangene werden ausgetauscht - Erfolg für Sharon, aber auch Kritik

Im Libanon heimste Hisbollah-Chef Hassan Nasrallah Komplimente ein, die israelischen Beteiligten hatten hingegen "gemischte Gefühle", nachdem der deutsche Regierungsbeamte Ernst Uhrlau Samstagabend in Berlin nach drei Jahren diskreter Vermittlungsarbeit den Durchbruch verkündet hatte - der spektakuläre Austausch von Gefangenen und Geiseln zwischen Israel und der radikalen Schiitenorganisation ist perfekt und wird vermutlich nächsten Donnerstag abgewickelt.

Israel wird 400 Palästinenser, 35 Bürger verschiedener arabischer Staaten sowie einen Deutschen freilassen, die Hisbollah wird einen entführten israelischen Zivilisten und die Leichen von drei verschleppten Soldaten herausgeben. Uhrlau erwähnte eine "Mitwirkung des Iran" und sprach von der Befriedigung der deutschen Regierung darüber, einen wichtigen Beitrag geleistet zu haben. Der Austausch soll auf einem deutschen Flughafen erfolgen.

Gesichtswahrung

Im November war das Geschäft fast noch einmal geplatzt, als die Hisbollah die Freilassung von Samir Kuntar forderte, einem Libanesen, der wegen eines tödlichen Terroranschlags seit 25 Jahren in einem israelischen Gefängnis sitzt. Die Israelis wiederum scheuten zurück, weil der seit 17 Jahren vermisste Flugnavigator Ron Arad nicht inkludiert war und somit praktisch aufgegeben worden wäre.

Nun wahren beide Seiten durch die Vereinbarung das Gesicht, dass Kuntar in rund zwei Monaten freikommen soll, wenn Israel bis dahin stichhaltige Informationen über Arads Schicksal erhält. Schon diese Woche werden die beiden prominentesten libanesischen Häftlinge freigelassen - die Milizenführer Scheich Abdel Karim Obeid und Mustafa Dirani. Mit auf der Liste steht auch der 32-jährige Deutsche Steven Smyrek, der 1997 zu 10 Jahren Haft verurteilt wurde, weil er im Auftrag der Hisbollah einen Anschlag vorbereitet haben soll.

Der geglückte Handel gilt in Israel als Erfolg für Premier Ariel Scharon. Zugleich wurde debattiert, ob der bezahlte "Preis" nicht zu hoch ist, zumal die Hisbollah nun zu weiteren Entführungen motiviert sein könnte. Die Särge der drei Soldaten, die 2000 an der libanesischen Grenze verschleppt worden waren, sollen mit allen militärischen Ehren empfangen werden. Um den Geschäftsmann Elchanan Tennenbaum, der unter ungeklärten Umständen nach Beirut entführt wurde und von der Hisbollah als Mossad-Agent bezeichnet wird, will man wenig Aufhebens machen. (DER STANDARD, Printausgabe, 26.1.2004)

Von Ben Segenreich aus Tel Aviv
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