"Wollen mitplaudern und etwas ändern"

26. Jänner 2004, 16:02
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Alexander van der Bellen im STANDARD-Interview über die Ziele der Grünen im Superwahljahr: "Am Land sieht das anders aus"

STANDARD: Sind Sie nun in dieser Funktion, die bei den Grünen immer ein Schleudersitz war, pragmatisiert?

Van der Bellen: Ich bin insgesamt sehr zufrieden mit dem Ergebnis, auch für die vier Frauen, die in den Bundesvorstand gewählt wurden. Alles, was über 80 Prozent liegt, zeugt von Vertrauen und davon, dass die Performance als in Ordnung empfunden wird - trotz der kritischen Stimmen, die natürlich auch sein müssen. Rückblickend muss man sagen, dass ich auch Glück gehabt habe. Es ist leichter, in einer Krise wie 1999 Bundessprecher zu werden und aus der herauszufinden. Wir haben seither mit einer Ausnahme bei allen Landtagswahlen gewonnen. Das schafft Zuversicht.

STANDARD: Wie wichtig ist dieses Jahr für die Grünen?

Van der Bellen: Schon sehr. Salzburg und Vorarlberg haben gemeinsam, dass wir dort die Scharten auswetzen wollen, weil wir zuletzt unter Wert geschlagen wurden. Wir haben gute Chancen auf das dritte und sogar vierte Mandat. Dann wird es besonders in Salzburg spannend, wie es in der Regierung weitergeht und ob wir wie in Oberösterreich etwas mitzuplaudern haben.

STANDARD: Mit wem werden die Grünen plaudern?

Van der Bellen: Ich red' den Salzburgern nichts drein, das hängt allein von ihrer Einschätzung ab und davon, wie sich ÖVP und SPÖ nach der Wahl verhalten. Aus dem Blickwinkel der Wiener Strategen hat Rot-Grün einen besonderen Reiz. Aber am Land sieht das anders aus, und es müssen die Leute vor Ort entscheiden, was am besten geht.

STANDARD: Und in Kärnten?

Van der Bellen: Das ist wirklich ein Sonderfall. Ein Landtag ohne parlamentarische Kontrolle, ein Selbstbedienungsladen, in dem sich alle drei Parteien schamlos bedienen, wie die 7,2 Millionen Euro für die Finanzierung ihres Wahlkampfes zeigen. Hoffentlich ist das mit ein Grund, dass die Leute sagen: Es reicht, wir wollen Kontrolle und wählen Grün. Ein Grundmandat ist in Klagenfurt und Umgebung sicher möglich, und wenn wir's da schaffen, kommt ein zweites dazu. Das wäre ein sehr schönes Ergebnis.

STANDARD: Eva Glawischnig macht in Kärnten das Zugpferd - ist das nicht eine Mogelpackung, wo sie doch gar nicht in den Landtag will?

Van der Bellen: Nein, überhaupt nicht. Da wird signalisiert: Wir unterstützen unsere Leute mit Rolf Holub als Listenführer mit aller Kraft. Wenn sie noch nicht so bekannt sind, müssen wir eines kommunizieren: Wir alle wollen hier etwas ändern. Eva Glawischnig ist hier die mit Abstand bekannteste Grünen-Politikerin. Allein aus wirtschaftlicher Sicht muss sich in Kärnten etwas tun, damit es nicht völlig zum Schlusslicht wird. Selbst das Burgenland in seiner extremen Randlage ist dynamischer, was beweist: Es ist selbst in sehr ungünstigen Lagen viel möglich. Es zeigt auch, wie wenig die drei anderen Parteien bisher für Kärnten getan haben, allen voran die FPÖ. (DER STANDARD, Printausgabe, 26.1.2004)

Zum vierten Mal in Folge wählten die Grünen am Wochenende Alexander Van der Bellen zum Bundessprecher. Über die grünen Ziele im "Superwahljahr" sprach Van der Bellen mit Samo Kobenter.
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    Will mitplaudern: Alexander van der Bellen

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