An den Quellen innovativer Geschäftsideen

24. Jänner 2004, 10:30
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Wiener Lehrstuhl für Entrepreneurship: Praxisbezug für die Forschung - neue Herzklappe hat gute Erfolgschancen

Die beste Erfindung nützt wenig, wenn man sie nicht verkaufen kann. "In Österreich sind die Ingenieurs- und Naturwissenschaften vielfach auf Weltniveau", betont Nikolaus Franke, Professor für Entrepreneurship und Innovation an der Wirtschaftsuniversität Wien: "Im Vergleich dazu ist der Anteil an innovativen, technologiebasierten Gründungen viel zu niedrig."

Ob Innovationen eine wirtschaftliche Überlebenschance haben, prüfen seit zwei Jahren WU-Studenten der Betriebswirtschaftslehre, die sich bei Franke spezialisieren. Ziel ist, natur-und ingenieurswissenschaftliche Geschäftsideen zu identifizieren und ökonomisch zu bewerten. Einerseits sollen gründungsinteressierte Studenten lernen, dass Unternehmensgründung nicht nur als Dienstleister oder Berater möglich ist, sondern auch in innovativen, technologiebasierten Bereichen. Andererseits erfahren Erfinder und Wissenschafter durch die Zusammenarbeit, "wie wichtig ökonomisches Know-how ist", erklärt Franke. Die Bilanz für das vergangenen Wintersemesters: 55 Studierende führten in 16 Kursen unter Beteiligung von 45 Praxispartnern und externen Wissenschaftern aus 13 Universitäten 22 anwendungsorientierte Projekte durch.

In die Proseminare eingebundene Wissenschafter haben damit die Möglichkeit, ihre Marktchancen realistisch einzuschätzen. Günter Weigel und Paul Simon von der Universitätsklinik für Chirurgie am AKH haben zum Beispiel mit der Methode des Tissue Engineering eine neue Herzklappe entwickelt. Bei Tissue Engineering werden biologische Herzklappen, die dem Schwein entnommen und dem Menschen eingesetzt werden, vor dem Einsetzen zellfrei gemacht. Dadurch erhöht sich die Haltbarkeit der gut verträglichen, mit dem Körper mitwachsenden biologischen Herzklappen von zehn bis 15 Jahren auf lebenslang. Im Unterschied zur mechanischen Herzklappe entspricht außerdem der Blutflusswiderstand der Tissue engineerten Herzklappen dem eines gesunden Herzens - Patienten müssen also nicht lebenslang blutverdünnende Medikamente nehmen. Und ganz abgesehen davon macht die neue biologische Herzklappe weniger Lärm als ihre mechanische Schwester aus Metall. Um klar zu stellen, ob die neue Herzklappe erfolgreich kommerzialisierbar wäre und damit eine erste Testphase durchgeführt werden soll, machten die WU-Studierenden Katharina Wolner, Margret Stix und Clemens Stieböck eine Marktanalyse in Deutschland, wo das Herzklappenvolumen 43 Millionen Euro beträgt - bei einem gesättigten Markt mit durchschnittlich einem Prozent Wachstum pro Jahr.

Da der Anteil mechanischer Herzklappen rückläufig ist, gehen die Studenten davon aus, dass sich biologische Herzklappen aufgrund ihrer besseren Verträglichkeit langfristig durchsetzen werden. Weil 96 Prozent des deutschen Marktes von drei Erzeugern abgedeckt werden, die Tissue engineerte Herzklappe jedoch die "optimale Alternative" zur den herkömmlichen sei, empfehlen sie, diese "gemeinsam mit einem starken Vertriebspartner auf dem Markt zu bringen". Bei einem Preis von 3800 Euro und einem Absatz von 250 Stück rechnen sie mit einem Break Even Point im zweiten Jahr.

Dem Wiener Unternehmen Green Hills Biotechnology, ein Spin-off des Instituts für medizinische Biochemie und des Instituts für Dermatologie, hat die Abteilung Entrepreneurship bereits zum Erfolg verholfen - sowohl bei einem Präparat gegen Schnupfen- und Grippeviren (Elivir) als auch bei einem Medikament gegen Krebs (Oncoflu) - DER STANDARD berichtete. Elivir kann sowohl bei Influenza als auch bei Symptomen des grippalem Infekts unabhängig vom Krankheitsstadium eingenommen werden. Der Wissenschaftsfonds FWF leistet die detaillierte Aufklärung des Wirkungsmechanismus in Kooperation mit dem Institut für medizinische Biochemie.

Das Team der WU-Studenten sieht den Markt als weltweit vorhanden, der Erfolg hänge jedoch von der richtigen Umsetzung ab. Wenn Green Hills die Lizenz rechtzeitig an einen großen Pharmakonzern verkauft, was einen weltweiten Vertrieb auf dem konkurrenzdichten Markt garantieren könnte, rechnen sie mit einem Break-Even Mitte 2010. Ihre nächsten Analysen sollen die Vertriebsstrategie ermitteln. (Eva Stanzl/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 24./25. 1. 2004)

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