Umfrage: Familie geht den Österreichern über alles

28. Jänner 2004, 20:27
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Religiöse Werte verlieren an Bedeutung, Frauen halten sie noch hoch

Linz - Das Heiligste im Leben der Österreicher sind Familie und Kinder - das gilt für beide Geschlechter nahezu gleichermaßen mit 76 Prozent. Die Werte von persönlicher Geborgenheit sind in einer Ende letzten Jahres durchgeführten Face-to-Face-Umfrage des Linzer market-Instituts insgesamt deutlich gestiegen und haben nun teilweise höhere Bedeutung als Freiheitswerte.

Die Studie ist Teil der market-Sozialforschung, in deren Rahmen unter anderem auch Langzeitstudien über Erwartungen an die Steuerreform angestellt werden. Diese sind derzeit auf einem Tiefpunkt.

Wichtiger sind zurzeit offenbar ohnehin immaterielle Werte. 1995 galt den Österreichern noch als wichtigster Punkt im Leben, "dass ich meine persönliche Freiheit habe, selber entscheiden kann" - dies ist nach wie vor 68 Prozent der Männer und Frauen in Österreich sehr wichtig. Die Bedeutung der Familie ist dagegen sprunghaft von 61 auf 76 Prozent gestiegen, der eigene Freundeskreis ist in der Wichtigkeit sogar von 41 auf 60 Prozent gestiegen. Auch hier sind Männer und Frauen ziemlich einer Meinung.

Die Umfrage zeigt aber auch, dass es eine Reihe von Themen gibt, die von Männern und Frauen ganz unterschiedlich gesehen werden. Auffallend ist, dass Frauen sowohl auf die eigene Meinung, als auch auf den Anspruch, diese frei äußern zu können, nichts kommen lassen - "hier sieht man, dass viele Frauen bereits selbstbewusster auftreten als die Männer, die diese Themen vergleichsweise weniger ansprechen," sagt market-Chef Werner Beutelmeyer.

Frauen pochen stärker als Männer auf Anerkennung, auf Menschenrechte und Umweltschutz. Daneben bleiben die klassischen weiblichen Themen Haus und Familie ebenfalls stark besetzt.

Beutelmeyer: "Männern ist generell weniger ,heilig' als den Frauen - am ehesten ist Männern das Materielle wichtig, also der berufliche Erfolg und auch das eigene Auto. In diesen beiden Bereichen haben wir ein signifikant stärkeres Bekenntnis bei den Männern gefunden - auch der Urlaub ist vor allem den Männern heilig."

Frauen haben demgegenüber immer noch ein starkes Verständnis dafür, dass es eben heilige Dinge sind, die einem heilig sind: 37 Prozent der Frauen halten Gott heilig.

Generell haben die religiösen Werte deutlich an Bedeutung verloren - ebenso aber auch die nationalen Werte: Nur 38 Prozent ist noch heilig, dass sie Österreicher sind (1995 waren es 44 Prozent); und die deutschnationalen Symbole halten überhaupt nur zwei Prozent hoch, 1995 waren es noch sechs Prozent. (Conrad Seidl/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 24./25. 1. 2004)

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