Im pannonischen Windschatten

23. Jänner 2004, 20:48
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Die Bewag will ihr "windiges" Know-how zu einem Exportschlager machen. Erste Kooperationen in den Nachbarländern gibt es, auch einschlägige Investments werden ins Auge gefasst

Eisenstadt - Hans Lukits, Vorstandssprecher des burgenländischen Stromversorgers Bewag, ist ziemlich zufrieden. Und wäre das bemerkenswerte Rundherum um die Ökostromverordnung nicht, er wäre es wohl rundum.

Mit 260 Millionen Euro hat die Bewag in den vergangenen Jahren ein gewaltiges Investitionsprogramm absolviert - allein 2003 flossen 200 Millionen in jenes Projekt, das die Burgenlän- der zum größten Windstromanbieter Österreichs gemacht hat.

130 Windkraftanlagen

Mittlerweile stehen auf der Parndorfer Platte im Nordosten des Burgenlandes 130 Windkraftanlagen; 100 davon betreibt die Bewag. In den nächsten Jahren will sie 30 bis 50 weitere errichten.

Am Ende, schätzt Lukits, könnten 180 bis 200 Windräder die Silhouette des flachen Landes nachhaltig verändern. Aber auch - und das trägt zur Zufriedenheit von Hans Lukits durchaus bei - die Geschäftsgebarung der kleinen Landeselektrizitätsgesellschaft.

Durch die "Ausbeutung" des riesigen Windreviers beim Neusiedler See hat die Bewag nämlich ein ganz besonderes Know-how akkumuliert, das sich bald auch in den Bilanzen wiederfinden sollte.

Zurzeit läuft eine Kooperation mit den Bundesforsten - die Bewag wird in den Staatsrevieren auf Standortsuche gehen. Denn nur dort, wo der Wind verlässlich weht, könnten sich die Investitionen rechnen - dies natürlich abhängig von den Bedingungen der Ökostromverordnung

Know-how-Export

Die Ambitionen der Bewag gehen weiter. Konkrete Gespräche über windbezügliche Kooperationen laufen zurzeit mit Partnern in Kroatien und in Südmähren (Tschechien); Pläne gibt es auch in Richtung Ungarn.

Die Kooperationspläne beschränken sich vorerst auf Know-how-Transfer sowie Consulting bei Planung, Errichtung und Betrieb. Die Bewag kann sich freilich auch ein intensiveres Engagement vorstellen. Lukits: "Das könnten durchaus auch Investments sein."

Netzeinspeisung als Knackpunkt

Knackpunkt einer rentablen Energiegewinnung aus Wind - und damit auch Schwerpunkt der in- und ausländischen Partnerberatung - sei, so der Bewag-Direktor, eine möglichst günstige Netzeinspeisung. Hinter der stehe aber - wie im Burgenland ja vorbildlich gezeigt worden sei - ein schlüssiges Gesamtkonzept.

Es sei der Wildwuchs, der den Windstrom teuer mache. "Normalerweise kostet die Netzeinspeisung 100 Euro pro Megawatt. Wir schaffen es um die Hälfte." (DER STANDARD Printausgabe, 24.01.2004, Wolfgang Weisgram)

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    Wind zu ernten kann profitabel sein. Der burgenländische Stromversorger Bewag will sein Know-how auf diesem Gebiet nun auch im Ausland in klingende Münze verwandeln.

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