Plakate lernen auf Stelzen zu stehen

27. Jänner 2004, 10:35
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Im Frühjahr dürften bis zu 400 "Citylight Boards" die Stadt bewerben - Diskussionen über "Stadtverträglichkeit" fanden nicht statt

Im Frühjahr dürften bis zu 400 "Citylight Boards" die Stadt in neuem Werbelicht erstrahlen lassen. Diskussionen über die "Stadtverträglichkeit" fanden bisher nicht statt - vor allem, weil die Gewista über das Projekt lieber nicht debattiert.

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Wien - Die Sache läuft völlig korrekt. Trotzdem dürfte die Realisierung der jüngsten Werbepläne der Gewista gehörig Staub aufwirbeln. Schließlich könnte die Aufstellung von zweieinhalb Meter hohen Säulen, auf denen vier mal zwei Meter fünfzig große Nirostarahmen mit beleuchteten, alle paar Sekunden wechselnden Plakaten thronen, Wiens Stadtbild nachhaltig verändern: Die "Citylight Boards" genannten Plakatflächen sollen an bis zu 400 Plätzen in Wien stehen.

Mit Stelzenplakaten loszulegen

Derartige, dem STANDARD vorliegende, Informationen will man im Büro von Planungsstadtrat Rudolf Schicker (SP) mit dem Hinweis, dass "die Verfahren nicht abgeschlossen sind" derzeit noch nicht kommentieren. Dass die von der Stadt Wien im April 2001 mehrheitlich an den französischen Plakatmulti "JCDecaux Central Eastern Europe" gegangene Gewista aber plant, im Frühjahr mit Stelzenplakaten loszulegen, wird bestätigt. Die vom STANDARD präsentierten Details will man im Rathaus nicht dementieren. "Stelzenplakate" hatte Decaux schon 1976 in Frankreich unter dem Markennamen "Vitrines" eingeführt. Bisher hatte das Amt für Stadtgestaltung (MA 19) derartige Werbungsträger für nicht stadtbildverträglich erklärt.

Antragsflut

Vergangenen Herbst dürfte die Gewista die MA 19 aber mit einer Busladung Anträge überrollt haben: 2000 Aufstellungsorte wurden - jeder Platz ein Antrag - beantragt. Um die Behörde nicht völlig zu blockieren, wurde die Überprüfung an ein Architekturbüro ausgelagert. Rathauskreisen zufolge sind dort 250 Standplätze "durch", 150 sollen noch folgen.

Konkurrierende Werbeunternehmen finden das gar nicht lustig: Mit der Antragsflut, klagen nicht genannt werden wollende Insider, habe die Gewista Konkurrenten am ohnehin von ihr beherrschten Wiener Plakatmarkt auf Dauer ausgebremst: Jeder Platz, der interessant sei und eine Chance auf Genehmigung habe, gehöre nun ihr - alle anderen Orte würden gerade amtlich für ungeeignet erklärt.

Der Deal

Ganz ohne Gegenleistung hat die Stadt dieses De-facto-Monopol freilich nicht vergeben: Die Gewista, heißt es aus Rathausquellen, habe sich verpflichtet, für jedes der Stelzenplakate die zehnfache Fläche anderswo in der Stadt abzubauen. Das - wenn auch mit der Einschränkung "das Zahlenverhältnis nicht vorliegen zu haben" - bestätigt auch Schickers Sprecher.

Kolportiert wird allerdings, dass die Gewista für diese Reduktion - Wien gilt als Europas am dichtesten plakatierte Stadt - drei Jahre Zeit hat. In Branchenkreisen applaudiert man dem Plakatmulti zu diesem Coup: Eine reguläre, neu aufgestellte Plakatwand amortisiere sich innerhalb von etwa eineinhalb Jahren.

Genehmigungen

Pikant auch, dass scheinbar nicht klar definiert ist, wo die abzubauenden Plakatflächen zu finden sind: In Magistratskreisen wird - natürlich inoffiziell - erklärt, dass Werber-Schätzungen, wonach 50 Prozent der Plakatflächen der Stadt nicht über alle nötigen Genehmigungen verfügen, "eher zu tief angesetzt" seien.

Seitens der Gewista gibt man sich - noch - verschlossen. Auf Anfrage des STANDARD bestätigte Gewista-Generaldirektor Karl Javurek zwar Pläne und Format der Plakatwände: "Grosso modo stimmt das." Über Details und Hintergründe werde er aber erst reden, wenn die Gewista das Projekt öffentlich diskutiert wissen will. Das, so Javurek, werde "noch heuer" und "ungefähr 14 Tage" vor Inbetriebnahme der Stelzenplakatwände sein. (Thomas Rottenberg, DER STANDARD Printausgabe 24/25.1.2004)

  • Gewista plant neue Werbeboards
    foto: standard/ gewista

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