Vorstand gerät in Wasserstrudel

28. Jänner 2004, 13:24
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Nächste Woche sollte in der Vorstandsfrage des Linzer Anlagenbaukonzerns eine wichtige Vorentscheidung fallen - Ob Erich Becker bis zum Sommer bleibt, ist fraglich

Noch im Jänner sollte in der Vorstandsfrage der VA-Tech eine wichtige Vorentscheidung fallen. Möglich ist sogar ein umfangreiches Revirement. Ob General Erich Becker bis Sommer bleibt, ist offen.

 

 

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Linz/Wien – Die jüngste Gewinnwarnung und den geplatzten Verkauf der Wassertechniksparte Wabag hätte es gar nicht mehr gebraucht. Eine Verlängerung des Vertrags von VA-Tech-Gene ral Erich Becker (62) war schon im Sommer 2003 kein Thema mehr. Nach dem Einstieg des Großaktionärs Victory Industrie Beteiligung AG des Mirko Kovats (15,03 Prozent) war rasch klar, dass es nur mehr darum geht, ob Becker seinen bis August 2004 laufenden Vertrag vollenden darf oder nicht (

Zunächst ist aber General Becker am Zug, er sucht dem Vernehmen nach seit einigen Wochen nach einem dritten Vorstandsmitglied für die Sparte Energieübertragung und -verteilung (T&D). Der Gesuchte sollte neben neuer Energie insbesondere auch ausreichend Erfahrungen im Frankreich-Geschäft mitbringen, heißt es. Dort drücke bei T&D der Schuh besonders arg. Passt den Großaktionären Kovats und ÖIAG (sie hält ebenfalls 15 Prozent an der VA Tech, Anm.) der als Entlastung für T&D-Chef Klaus Brenner gesuchte „dritte Mann“, könnte er Becker noch vor dem Sommer beerben, heißt es in Unternehmenskreisen.

Entscheidung über Finanzchef bis Februar

Als potenzieller Nachfolger für den scheidenden Generaldirektor wurde übrigens bereits im Herbst Elin-EBG-Chef Klaus Sernetz in Stellung gebracht. Dass ihm nun die Sanierung der unverkäuflichen Wassertechnik-Tochter Wabag „umgehängt“ wurde, bewerten Beobachter unterschiedlich, es dürfte die Aufstiegschancen des 52-jährigen aber sicher nicht mindern.

Wabag-Sanierung vorrangig

Zunächst muss der Infrastrukturchef die Sanierung der Wabag, die in den ersten neun Monaten 2003 einen operativen Verlust von 35,7 Mio. Euro auswies, einmal vorantreiben. Die angekündigten Einschnitte werden diese mehr als halbieren, heißt es im Konzern. Von den 700 Mitarbeitern weltweit sollen dem Vernehmen nach nur 200 übrig bleiben, wobei Kündigungen im großen Stil aber nicht zu erwarten seien. Der Großteil dürfte mit den Unternehmensteilen mitverkauft werden. Soll soll es für die indische Wabind bereits einen Käufer geben. Ein Sorgenkind sei auch die britische Wabag. Neue Gesichter dringend gesucht

Dass VA-Tech-Großaktionär Mirko Kovats selbst die Konzernführung übernehmen könnte, schloss Kovats kürzlich auf STANDARD-Anfrage kategorisch aus. Er habe neben den Börsenvorbereitungen seiner Unternehmensgruppe keine Kapazitäten, der VA-Tech-Restrukturierung ausreichend Zeit zu widmen: „Die Allerbesten sollten das Unternehmen leiten.“ Dass dazu der interimistische Estag-Chef Johannes Ditz gehören könnte, schloss Kovats aus: „Ich kenne Herrn Ditz gar nicht.“ Endgültig entschieden werden soll die Führungsfrage in der Hauptversammlung am 29. April. (DER STANDARD Printausgabe, 24.01.2004, Luise Ungerboeck)

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