Angeklagte im Mannesmann-Prozess beteuern Unschuld

30. Jänner 2004, 19:56
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Ackermann und Esser attackieren die Staatsanwaltschaft - Deutscher Bank-Chef verteidigt Millionenprämien

Düsseldorf - Der im Mannesmann-Prozess wegen Untreue angeklagte Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann und die anderen beschuldigten deutschen Top-Manager und Gewerkschafter haben in ihren ersten Stellungnahmen ihre Unschuld beteuert.

Vor dem Düsseldorfer Landgericht bezeichnete Ackermann die Ausschüttung der Millionen-Prämien für die früheren Mannesmann-Manager am Donnerstag als "zulässig, angemessen und rechtlich sogar geboten".

Außerordentliche Prämie für außerordentlichen Erfolg

Es habe sich um eine außerordentliche Prämie für einen außerordentlichen Erfolg gehandelt, sagte der Vorstandssprecher des größten deutschen Geldhauses. Ackermann war Aufsichtsrat des nach einer spektakulären Abwehrschlacht für 188 Mrd. Euro vom britischen Mobilfunkriesen Vodafone übernommenen Traditionskonzerns Mannesmann.

"Ich weiß nicht, wo hier ein strafrechtliches Problem liegen soll. Ich habe mich nicht bereichert", betonte Ackermann. Er habe sich nach bestem Wissen und Gewissen verhalten und an die Regeln des Wirtschaftsrechts gehalten." Eine Ablehnung des Prämienvorschlags durch den Hauptaktionär wäre als Misstrauensvotum gegen den Mannesmann-Vorstandschef Klaus Esser verstanden worden.

"Nichts überstürzt, nichts verheimlicht"

Es sei auch darum gegangen, die Integration in die Vodafone-Gruppe nicht zu gefährden. "Wir haben nichts überstürzt, nichts verheimlicht - vielleicht waren wir sogar zu transparent", sagte Ackermann.

Neben Ackermann wiesen auch der frühere IG-Metall-Vorsitzende Klaus Zwickel, Esser und der ehemalige Mannesmann-Aufsichtsratschef Joachim Funk die Vorwürfe der Ankläger entschieden zurück.

Esser griff die Staatsanwälte in seiner mehrstündigen Aussage scharf an. Ihre Vorwürfe seien eine "Verleumdung" und "Beleidigung". Er habe seine eigenen Interessen in den Gesprächen mit Vodafone-Chef Chris Gent nie berücksichtigt und es sogar abgelehnt, darüber überhaupt zu sprechen, sagte Esser.

Daher sei es besonders boshaft und ein Zerrbild, wenn die Staatsanwaltschaft behaupte, er habe seine persönlichen Interessen an die erste Stelle gestellt.

"Kartenhaus der Anklage steht nicht mehr"

Die Ankläger hätten mit aller Macht für ihre Geschichte der Käuflichkeit gekämpft, sagte Esser. Nachdem das Gericht die Vorwürfe gegen ihn zusammengestrichen habe, habe "das Kartenhaus der Anklage etwas Unwirkliches bekommen. Es steht nicht mehr", sagte Esser, der nur noch der Beihilfe zur Untreue beschuldigt wird. Der frühere Mannesmann-Chef hatte bei seinem Ausscheiden insgesamt mehr als 60 Millionen DM (30,7 Mio. Euro) erhalten.

Ex-Aufsichtsrats-Chef Funk bezeichnete die Zahlungen als "rechtlich in Ordnung". Bei der Übernahme von Mannesmann durch Vodafone vor vier Jahren sei es hektisch zugegangen. "Manche Entscheidungen wurden in Eile getroffen, die Situation glich einem Schlachtfeld", meinte Funk.

Zwickel: Unverständnis über die Anklage

Auch Zwickel äußerte Unverständnis über die Anklage: Nach 50 Jahren Arbeit habe er sich vieles vorstellen können, aber "niemals, dass ich eines Tages wegen Veruntreuung angeklagt sein könnte. Ich habe in meinem Leben viele Kompromisse geschlossen, aber ich war nie käuflich". Alle Entscheidungen des Aufsichtsrates, an denen er beteiligt war, seien nach seiner Überzeugung aktienrechtlich korrekt gewesen.

Bei dem spektakulärsten deutschen Wirtschaftsstrafprozess geht es um Prämien in Höhe von 57 Millionen Euro. Die Beträge waren bei der weltweit teuersten Firmenübernahme geflossen.

Die Staatsanwaltschaft wirft den sechs Angeklagten - darunter auch der damalige Konzernbetriebsratschef Joachim Ladberg und der damalige Protokollführer im Präsidium des Aufsichtsrats, Dietmar Droste, vor, sich bewusst über das Aktienrecht hinweg gesetzt und damit einen "Vermögensverlust großen Ausmaßes" verursacht zu haben.

Vorwürfe aus der Politik

Wegen ihrer Attacken auf die Staatsanwälte ernteten die Top-Manager unterdessen heftige Vorwürfe aus der Politik. "Den Angeklagten fehlt offenbar jeder Bezug zu den Menschen in unserem Land", erklärte SPD-Generalsekretär Olaf Scholz in Berlin.

Dass sie versuchten, das Verfahren als "kleinkariert, spießig und unangemessen" zu diskreditieren, zeuge von einer unglaublichen Arroganz. Scholz sprach vom Zynismus hoch dotierter Manager, die nicht begriffen hätten, dass an ihre Position auch besonders hohe ethische Erwartungen geknüpft seien.

Unterdessen stärkte Siemens-Chef Heinrich von Pierer den Angeklagten den Rücken: "Es kann nicht sein, dass unternehmerische Entscheidungen dadurch beeinträchtigt werden, dass man über sich immer das Damoklesschwert eines Untreue-Straftatbestandes sieht." (APA/dpa)

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