Wien: Argumentationsgefechte um Aidskranke

28. Jänner 2004, 12:55
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Österreichs einzige Intensivstation soll aus Kostengründen in normale integriert werden - Proteste um Einsparungen der Drei-Bettenstation

Wien - Jene, die über zwanzig Jahre die Intensivstation für Aidskranke auf der Baumgartner Höhe aufgebaut haben, wollen sie verständlicherweise erhalten. Norbert Vetter ist jener Arzt, der dafür verantwortlich zeichnet. Seiner Angabe nach handelt es sich österreichweit um die einzige Intensivstation für Aidspatienten. Sie umfasst drei Betten.

200 000 Euro Einsparung

Diese kleine Station soll nun in die benachbarte pulmologische Intensivstation eingebracht werden. Damit würden 200.000 Euro eingespart, rechnet man im Wiener Krankenanstaltenverbund. Es entspinnt sich nun ein heftiger Disput um Zahlen, Auslastung und Qualität. Ärztekammer, Aidshilfe, Parteien protestieren gegen die Pläne. Alle Beteiligten beteuern, im Sinne der Patienten zu handeln.

"Rückgrat" des Betreuungskonzepts

Heinz-Eberhard Gabriel, ärztlicher Direktor im Sozialmedizinischen Zentrum Baumgartner Höhe, argumentiert die Schließung der Intensivstation mit der mangelnden Qualität der Betreuung. Viele würden bereits ambulant behandelt, die Auslastung sei zu gering. Man könne bei drei Betten nicht von einer Intensivstation sprechen, meistens sei die Aidsstation mit Patienten mit anderen Krankheiten belegt. Stimmt nicht, sagt dazu Aidsspezialist Norbert Vetter. Er gibt eine Auslastung von 75 Prozent an. Außerdem habe er eine "Erfolgsquote" von 95 Prozent - das hieße, so viele der Betroffenen würden dank der Betreuung überleben. Er bezeichnet die Intensivstation als "Rückgrat" des Betreuungskonzepts. Gerade die Pflege durch speziell geschultes Personal sei unerlässlich, führt Vetter weiter aus.

900 Patienten und Patientinnen in Österreich

Da wiederum kontert Ärztechef Gabriel: Dieses Personal könne auf Wunsch in die zusammengelegte Station wechseln. Die Betreuung bliebe also dieselbe.

Ein Faktum, das derzeit sowohl beim Weltwirtschaftsforum im schweizerischen Davos, als auch bei der UNO diskutiert wird, ist unumstößlich: Es gibt immer mehr Aidskranke. Nicht nur zu teure Medikamente und die Unwissenheit über Schutz vor Aids sind ein Grund, auch Sextourismus trägt zur Verbreitung bei. In Österreich sind in den letzten zwanzig Jahren mehr als 1300 Menschen an der Immunschwächekrankheit gestorben. Derzeit werden in den Aidsstationen in Spitälern in Wien, Linz, Graz und Innsbruck mehr als 900 Patienten und Patientinnen behandelt. Drei Viertel der Betroffenen sind Männer. (aw, DER STANDARD Printausgabe 24/25.2004)

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