"Berlusconi ist stalinistisch"

26. Jänner 2004, 14:50
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Ex-Staatsanwältin und Mandatarin der Forza Italia, Tiziana Parenti, über den Premier: "Er misstraut allen, die er nich dominieren kann"

Rom - "Nicht auszudenken, was passiert wäre, wenn 1994 die Erben der Kommunisten gewonnen hätten. Dank Berlusconi sind uns die Regeln der Demokratie erhalten geblieben und Italien beginnt sich zu ändern", schwärmt Sandro Bondi. Für Ideale konnte sich der rundliche Toskaner schon immer begeistern. Als erster kommunistischer Bürgermeister Fivizzanos ebenso wie heute als Parteisekretär von Forza Italia. Anfang der 90er-Jahre bot er von Haus zu Haus das kommunistische Parteiblatt Unitá feil, das er heute als "hasserfüllte Zeitung" verachtet. Seine Devotion für den Parteichef ist grenzenlos: "Ich verdanke Berlusconi alles!"

Diese Form der Unterwürfigkeit ist Tiziana Parenti fremd. Die Staatsanwältin und Gegenspielerin des Mani-Pulite-Volkshelden Antonio Di Pietro wurde 1994 auf für Forza Italia ins Parlament gewählt. "Ich habe Berlusconi geraten, seinen Interessenkonflikt zu lösen, um glaubhaft zu bleiben", erzählt sie.

Ihr Rat kam nicht gut an. "Er misstraut allen, die er nicht dominieren kann. Widerspruch ist in Forza Italia unerwünscht. Berlusconi ist stalinistisch: Wer nicht für mich ist, ist gegen mich", so die heutige Anwältin. Für sie ist die "Charta der Werte", die das Parteivolk bei der Jubelfeier neu motivieren soll, unglaubwürdig. "Der Umweltschutz ist nicht grün, sondern blau", heißt es etwa dort. Auch Lao Tse wird als Urvater von Forza Italia vereinnahmt: "Klage nicht über Dunkelheit, zünde eine Kerze an". (mu/DER STANDARD, Printausgabe, 23.1.2004)

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