Wiens Plakate bekommen Stelzen

26. Jänner 2004, 20:35
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Bis zu 400 neue Plakatwände könnten in Wien für Aufregung sorgen

Die Sache läuft korrekt. Trotzdem dürften die jüngsten Pläne des Platzhirschen am Wiener Plakatiermarkt, der Gewista, Staub aufwirbeln. Schließlich könnte die Aufstellung von zweieinhalb Meter hohen Säulen, auf denen vier mal zwei Meter fünfzig große Plakate thronen, Wiens Stadtbild verändern: Die so genannten Citylight Boards sollen an bis zu 400 Plätzen stehen.

Derartige Informationen will man im Büro von Planungsstadtrat Rudolf Schicker (SP) mit dem Hinweis, dass "die Verfahren nicht abgeschlossen sind" nicht kommentieren. Dass die Gewista plant, im Frühjahr mit Stelzenplakaten loszulegen, wird bestätigt. Vom STANDARD präsentierte Details will man aber nicht dementieren. Bisher hatte das Amt für Stadtgestaltung (MA 19) derartige Werbungsträger für nicht stadtbildverträglich erklärt.

Vergangenen Herbst dürfte die Gewista die MA 19 überrollt haben: 2000 Aufstellungsorte wurden beantragt. Rathauskreisen zufolge sind 250 Standplätze "durch", 150 sollen noch Folgen. Gewista-Konkurrenten finden das nicht lustig: Damit habe die Gewista den Wiener Markt quasi monopolisiert: Jeder mögliche Platz "gehöre" ihr – alle anderen seien "amtlich" ungeeignet.

Der Deal

Die Gewista, heißt es aus Rathausquellen, habe sich dafür verpflichtet, für jedes Stelzenplakat ein Vielfaches von dessen Fläche anderswo abzubauen. Kolportiert wird, dass sie dafür drei Jahre Zeit hat. Ein Coup: Eine Plakatwand amortisiere sich innerhalb von eineinhalb Jahren. In Magistratskreisen wird – inoffiziell – erklärt, dass Schätzungen, wonach 50 Prozent der Plakatflächen der Stadt nicht über alle Genehmigungen verfügen, "tief angesetzt" seien.

Seitens der Gewista gibt man sich verschlossen. Generaldirektor Karl Javurek bestätigt nur die Existenz des Projektes. Details werde er erst verraten, wenn es der Gewista passt. Das werde "ungefähr 14 Tage" vor Inbetriebnahme der Plakatflächen sein. (Thomas Rottenberg/DER STANDARD, Printausgabe vom 24./25.1.2004)

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