Studie über HIV-Schutz muss zurück gezogen werden

28. Jänner 2004, 14:29
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Prominenter Aidsforscher David Ho hatte mit verunreinigten Proben gearbeitet: Völlig falsche Ergebnisse

New York/Washington - Einer der weltweit prominentesten Aidsforscher hat eine Studie über den angeborenen Schutz einiger Menschen vor der Immunschwächekrankheit zurückgezogen. David Ho vom Aaron-Diamond-Aidsforschungszentrum in New York hatte über eine körpereigene Substanz geforscht, die bestimmten Menschen einen Schutz vor dem Aidsvirus geben sollte. In der Fachzeitschrift "Science" vom Freitag schreibt er, dass die Substanz nicht in CD8-Immunzellen produziert wird, wie von ihm behauptet. Vielmehr sei sie bei seiner Studie durch Verunreinigung in die Immunzellen gelangt.

Damit sei jetzt wieder völlig offen, was einige Menschen trotz Infektion mit dem Aidsvirus vor einer Erkrankung bewahre, bemerkte die "New York Times" am Freitag. Aidsforscher hatten gehofft, diesen körpereigenen Stoff finden und einmal weltweit zur Vorbeugung gegen die Immunschwäche einsetzen zu können.

Berechtigte Skepsis

Ho und Kollegen hatten ihre Studie im November 2002 in "Science" veröffentlicht. Darin stellten sie eine Gruppe kleiner Proteine vor, so genannter Alpha-Defensine, die ihren damaligen Erkenntnissen zufolge von den CD8-Immunzellen produziert werden und HIV bekämpfen können. Das Ergebnis ihrer Studie war - trotz der überwiegenden Anerkennung in Fachkreisen - von einigen Experten skeptisch betrachtet worden.

In der jüngsten "Science"-Ausgabe widersprechen Ho und Kollegen ihrer Auslegung von 2002, dass Alpha-Defensine von den Immunzellen CD8 hervorgebracht werden. "Wir zweifeln die Wirkung der Defensine gegen HIV nicht an", erklärte Ho. Lediglich die Herkunft des Stoffs sei ungewiss. Dem widersprechen andere Aidsexperten, die von der "New York Times" befragt wurden. Ihnen zufolge ist bisher nicht zweifelsfrei erwiesen, dass Defensine tatsächlich Aids verhindern. (APA/dpa)

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