Abfahr II: Eberharter außer Konkurrenz

29. Jänner 2004, 12:39
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ÖSV-Läufer gewinnt die Abfahrt von Kitzbühel mit mehr als einer Sekunde Vorsprung auf Rahlves - Hoffmann holt Stockerl-Platz für Schweiz

Kitzbühel – Stephan Eberharter fuhr am Samstag in Kitzbühel eines der besten Renen seiner Karriere und gewann zum zweiten Mal die klassische Hahnenkamm-Abfahrt. In 1:55,48 Min. triumphierte Eberharter mit dem gigantischen Vorsprung von 1,21 Sekunden – dem größten Streif-Vorsprung seit 1986 (Wirnsberger 1,22 vor Resch) – auf Daron Rahlves (USA) und feierte als bald 34-Jähriger seinen bereits 27. Weltcupsieg. Ambrosi Hoffmann holte als Überraschungs-Dritter den ersten Podestplatz dieser Saison für die Schweizer Herren.

45.000 Zuseher bei herrlichem Ski-Wetter

Der Tag der Tage bei den 64. Hahnenkamm-Rennen lieferte ein perfektes Szenario. Wieder Postkartenwetter mit tiefblauem Himmel, rund 45.000 begeisterte Zuschauer und eine perfekt präparierte und brutal schwierige Streif. Und selbst der an sich zurückhaltende Eberharter sprach im Ziel von einem "Traumlauf" . Hatte er noch am Vortag die hohe Startnummer verflucht, war der Tiroler an diesem Tag der Konkurrenz derart überlegen, dass er auf allen Abschnitten Bestzeit fuhr. Er kam schon mit über einer Sekunden Vorsprung auf Rahlves zum Hausberg, legte am Ende aber trotzdem noch einmal zu.

Mehr Siege als Klammer

Im Ziel entlud sich die ganze Anspannung bei Eberharter in einem Urschrei. "Ich wollte unbedingt noch ein Mal Kitzbühel gewinnen. Ich habe daher volles Risiko genommen, auch wenn es gefährlich war", gestand der Zillertaler nach dem ersten Luftholen. Der Lauf sei perfekt gewesen, der Riesen-Vorsprung trotz Startnummer 30 möglich geworden, "weil die Streif erstmals wirklich perfekt war." Mit 27 Siegen (16 in der Abfahrt) hat Eberharter jetzt auch Franz Klammer übertroffen und liegt zusammen mit Phil Mahre (USA) auf Platz sechs der ewigen Bestenliste.

Kollektive Verneigung

Hatten nach den vorangegangenen Hundertstel-Entscheidungen die Verlierer jeweils gehadert, blieb der Konkurrenz am Samstag nur die kollektive Verneigung vor dem überragenden Sieger. "Ich habe keine Ahnung wie der Steff das heute gemacht hat. Er muss ein paar Tore ausgelassen haben", scherzte Super-G-Sieger Rahlves, der auch im dritten Kitzbüheler Speedrennen auf das Podest fuhr und mit 74.000 Euro in drei Rennen knapp mehr Preisgeld einfuhr als Eberharter (72.400).

Hermann Maier gratuliert

Wie schon bei der Ersatzabfahrt am Donnerstag war auch am Samstag auf der Streif Routine gefragt. Die ersten Zehn kamen auf einen Altersschnitt von 30,4 Jahren, darunter befanden sich mit Eberharter, Hans Knauß (4.), Michael Walchhofer (5.) Christoph Gruber (8.) Hermann Maier (9.) und Fritz Strobl (10.) gleich sechs Österreicher. "Steff muss alles sehr gut erwischt haben, das war wirklich sehr, sehr stark von ihm", gratulierte auch Maier. "Ich selbst hatte einen total verkrampften Lauf, mir fehlt einfach die Lockerheit", klagte der Salzburger, der damit Kitzbühel erstmals sieglos verlassen muss.

Kjus am Knie verletzt

"In der Kombi kann ich ja nicht unbedingt mit einem Sieg rechnen", ließ Maier seinen Slalom-Start am Sonntag offen. Ob Eberharter antritt, bezweifelte sogar Herrenchef Toni Giger: "Ich weiß nicht, ob das nach der Siegesfeier noch möglich ist!" Auch bei Lasse Kjus "wackelt" der Slalom-Start. Der Norweger, der am Donnerstag die Kombiabfahrt gewonnen hatte, wurde am Samstag Elfter. Der 33-Jährige zog sich aber eine Knieverletzung zu, das Antreten des Weltcup-Leaders am Sonntag war damit höchst unsicher.

Einlage von Ghedina

Mit einer sensationellen Freestyle-Einlage bei rund 130 km/h hat Abfahrts-Oldboy Kristian Ghedina die Fans in Kitzbühel in Entzücken versetzt. Der Italiener raste mit Nummer zwölf Richtung Ziel, beim letzten Sprung riss der 34-Jährige bei hohem Luftstand die Beine zu einer Grätsche auseinander, landete unversehrt und führte sogar zwischendurch das Klassement an. "Vielleicht war es mein letztes Mal in Kitzbühel. Ich wollte den tollen Fans etwas bieten", grinste der Mann aus Cortina, der auf dem ausgezeichneten sechsten Rang landete.

Weiterer Kanadier verletzt

Die Rückkehr der "Crazy Canucks" auf die Streif hat sich nicht gelohnt. Hatte Kanadas österreichischer Herrenchef Burkhard Schaffer schon vor Kitzbühel mit Erik Guay, Jan Hudec (jeweils Kreuzbandriss) und Darin McBeath (Karriere-Ende) die Hälfte seine Abfahrtsteams verloren, landete am Samstag auch Jeff Hume im Krankenhaus. Der Kanadier zog sich bei einem Sturz Schnittwunden, eine Brustprellung und eine Gehirnerschütterung zu und musste zur genaueren Untersuchung nach St. Johan gebracht werden.(APA)

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    Eberharter lässt die Korken knallen.

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    Kristian Ghedina weiß nicht, ob er noch einmal nach Kitzbühel kommt. Daher zeigte er beim letzten Sprung und 135 km/h den Zuschauern eine Grätsche. (leider nicht im Bild, aber auch in der Traverse schaut er gut aus)

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