Temelin könnte weiter ausgebaut werden

28. Jänner 2004, 09:55
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Tschechischer Minister Urban schließt Vergrößerung des Atomkraftwerks nicht mehr aus

Prag - Der tschechische Industrie- und Handelsminister Milan Urban hat die Debatte über einen eventuellen Bau zusätzlicher Reaktorblöcke im südböhmischen Atomkraftwerk Temelin wieder aufgewärmt. In einem Interview mit der tschechischen Tageszeitung "Lidove noviny" (Freitag-Ausgabe) bestätigte er, dass sein Ministerium mit einer Vergrößerung des Anteils der Atomenergie am tschechischen Energiemarkt rechne. Dabei schloss er nicht aus, dass dies gerade durch Temelin realisiert werden könnte. "Bisher gibt es keine endgültige Entscheidung. Ich bestreite aber nicht, dass Temelin einer der günstigsten Orte für eine derartige eventuelle Erweiterung (von atomaren Energiequellen) ist", sagte Urban in dem Gespräch. Der Minister bestätigte, dass sein Ministerium in einem Energiekonzept den Aufbau neuer atomarer Energiequellen plane, während das Umweltministerium sich dagegen stelle. "Sie (das Umweltministerium) nehmen nämlich an, dass wir im Stande sind, irgendwelche bedeutenden Stromersparnisse pro Kopf zu erzielen. Wir sagen aber, dass es in der Welt kein Beispiel gibt, das von der grundlegenden Philosophie abweichen würde: Je höher der Lebensstandard ist, desto größer ist der Stromverbrauch pro Kopf", betonte Urban.

Unterschiedliche Positionen

Die Aussage des Ministers kommt nur einige Tage, nachdem Premier Vladimir Spidla gegenüber dem Tschechischen Fernsehen (CT) die Erweiterungspläne für Temelin bestritten hatte. Die Regierung Spidlas hätte sich mit der vom Industrieministerium ausgearbeiteten Energiekonzept schon Mitte Jänner befassen sollen. Angesichts der unterschiedlichen Positionen des Industrieministeriums und des Umweltministeriums wurde die Debatte jedoch auf einen späteren, bisher nicht festgelegten Termin verschoben. (APA)

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