Britische Abgeordnete wegen Verständnis für Selbstmordattentäter entlassen

25. Jänner 2004, 14:48
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Parteichef der oppositionellen Liberaldemokraten: "völlig inakzeptabel"

London - Eine britische Unterhausabgeordnete, die Verständnis für palästinensische Selbstmordattentäter äußerte, ist ihres Amtes als Parteisprecherin enthoben worden. Der Chef der oppositionellen Liberaldemokraten, Charles Kennedy, forderte Jenny Tonge am Freitag auf, von ihrem Amt als eine der Sprecherinnen der Partei zurückzutreten. "Ihre Bemerkungen über Selbstmordattentäter sind völlig inakzeptabel", sagte Kennedy. In Zukunft werde sie im Unterhaus ein Dasein als Hinterbänklerin fristen, sagte er weiter.

Die Ärztin und Abgeordnete hatte mit ihrer Äußerung Empörung ausgelöst, sie könne verstehen, warum "verzweifelte" palästinensische Jugendliche zu Selbstmordattentätern würden. Sie verteidigte sich am Freitagmorgen in der BBC gegen die Kritik: "Ich billige die Aktionen der Selbstmordattentäter keineswegs. Aber wir müssen versuchen, ihre Lebenssituation und ihre Herkunft zu verstehen."

Tonge, die vor kurzem die von Israel besetzten Gebiete besuchte, hatte auf einem Palästinenser-Solidaritätstreffen in London erklärt: "Diese spezifische Art des Terrorismus, der Selbstmordattentäter, wird aus schierer Verzweiflung geboren."

Der israelische Botschafter in London, Zvi Shtauber, begrüßte die Entscheidung Kennedys. "Wir müssen solchen Äußerungen entgegentreten, die zur Hetze gegen den Staat Israel und gegen Juden beitragen", sagte er in einem Interview der BBC. Eine Sprecherin der Botschaft hatte sich zuvor "schockiert" über die Äußerungen gezeigt. Tonge würde damit die Attentäter "ermutigen" und den Konflikt weiter anheizen. (APA/dpa)

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