Billigflieger bringen Besuchsrekorde

29. Jänner 2004, 19:35
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Touristen tummeln sich auf den Skipisten und Wien kann sogar einen Besuchs­rekord vorweisen - Die Tourismusbranche leidet trotzdem weiter unter dem "Jännerloch"

Wien – Die Direktorin des Salzburger Hotel Sacher, Elfi Kammerhofer, hat Grund zur Freude. "Trotz Spartendenzen allerorts sind wir im Jänner voll ausgebucht." Nachsatz: Freilich sei bereits der Februar wieder eine eher schwache Zeit.

Helmuth Peter vom Weißen Rössl am Wolfgangsee schätzt das Buchungsverhalten der Gäste ähnlich ein. Trotzdem muss Sepp Schellhorn, selbst Hotelier und Chef der Österreichischen Hoteliervereinigung, bei vielen Häusern auch ein ausgemachtes Jännerloch zur Kenntnis nehmen.

Kürzere Aufenthaltsdauer

Verantwortlich dafür sei eine immer kürzere Aufenthaltsdauer, die in den letzten drei Jahren kontinuierlich auf österreichweit durchschnittliche 4,2 Tage gesunken ist. Deshalb wäre es für ihn "schon ein Erfolg, wenn die gehobene Hotellerie trotz besser werdender Konjunkturvorzeichen heuer eine schwarze Null schafft".

Die Bettenauslastung ist nämlich in diesem Segment 2003 in insgesamt vier Bundesländern abgesunken. Der große Ausreißer war freilich Wien, wo diese auf 56,6 Prozent angezogen hat – obwohl gerade hier die Hotels in den letzten Jahren fast wie Schwammerln aus der Erde geschossen sind.

Schallmauer durchbrechen

Bei einem der jüngsten Häuser, dem Palais Coburg Hotel, zeigt man sich bei einem STANDARD-Rundruf derzeit jedenfalls "zufrieden".

Georg Weinländer, Chef des seit Anfang der 90er-Jahre bestehenden Grand Hotel Wien, glaubt wiederum, dass die Häuser 2003 vor allem von großen Kongressen profitieren konnten und es "heuer nach einem schwachen Jänner im März wieder bergauf gehen kann".

Ähnlich die Einschätzung von Dieter Fenz, Chef des lang eingesessenen Wiener Marriott, wo "primär die zweiten Hälfte 2003 für das Plus des Hauses verantwortlich zeichnete".

Ungetrübte Freude in Wien

Völlig ungetrübt freuen dürfen sich hingegen nun Karl Seitlinger, Chef der Wien-Tourismus, und Vizebürgermeister Sepp Rieder. Mit 7,95 Millionen Nächtigungen hat man im Vorjahr in Wien fast die Achtmillionengrenze erreicht und eine Steigerung von 3,9 Prozent geschafft.

Bezieht man, wie international üblich, auch noch die Übernachtungen in den Umlandgemeinden der Bundeshauptstadt mit ein, wäre die Schallmauer mit 8,5 Millionen sogar schon durchbrochen.

Deutsche, Franzosen und Spanier zog es nach Wien

Vor allem Deutsche, Franzosen und Spanier zog es nach Wien, Gäste aus Übersee blieben dafür vermehrt daheim. Der Nettoumsatz aller Wiener Hotels betrug von Jänner bis November 2003 277 Mio. Euro (plus 4,2 Prozent).

Und auch für 2004 sind Seitlinger und Rieder hoffnungsvoll. Dank der Konjunkturbelebung und einer steigenden Anzahl von Gästen, die durch die expandierenden Billigflieger nach Wien komme, hoffen sie "diese Bestmarke sogar noch verbessern zu können".

Derzeit fliegen acht Billiglinien Wien an. Wie berichtet, befördern diese gemeinsam bereits rund 760.000 Passagiere. (DER STANDARD Printausgabe, 24.01.2004, Monika Bachhofer)

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    Fast acht Millionen Gäste zog es verganges Jahr nach Wien

  • Infografik: Wien-Tourismus 2003
    der standard

    Infografik: Wien-Tourismus 2003

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