Schneechaos in der Türkei: Notstand in Istanbul ausgerufen

25. Jänner 2004, 12:13
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Tausende Autofahrer eingeschlossen - Schneekettenpflicht in Istanbul - mehrere Menschen erfroren - Notstand auf griechischer Insel Limnos

Istanbul - In Istanbul wurde am Morgen der Notstand verhängt. Die Behörden riefen die Einwohner der Millionen-Stadt dazu auf, zu Hause zu bleiben. Tausende Autofahrer hatten die Nacht in ihren Fahrzeugen verbringen müssen, weil die Straßen blockiert waren. Zehntausende Haushalte waren ohne Strom und Wasser.

Rettungskräfte verteilten insgesamt 7.000 Decken und ebenso viele Lebensmittelpakete an die eingeschlossenen Menschen, wie der Vize-Präsident der Behörde für Katastrophenschutz, Ali Karahan, dem Fernsehsender CNN-Turk sagte.

Derzeit würden 20 Tonnen Kraftstoff ausgegeben, da viele Autofahrer ihr Benzin zur Beheizung des Wagens verbraucht hätten. Im gesamten Westen der Türkei war der Verkehr lahm gelegt. An den Flughäfen war der Betrieb stark eingeschränkt.

Mehrere Stunden Stromausfall in Istanbul

In der Millionenmetropole Istanbul ging nach mehr als 24 Stunden Schneetreiben schon am Donnerstagabend nichts mehr. Der Strom fiel mehrere Stunden lang aus. Binnen eines Tages seien 167 Millimeter Niederschlag gefallen, sagte Karahan. Das entspreche der durchschnittlichen Niederschlagsmenge, die in der Türkei im Winter sonst in einem Monat falle. Die Katastrophenschutzbehörde verhängte in der Nacht ein Verbot für alle Autos ohne Schneeketten, das auf den Hauptstraßen gelten sollte.

Flugverkehr zeitweise eingestellt

Auf dem Flughafen von Istanbul wurde der Flugverkehr zeitweise eingestellt. Auch die Börse blieb wegen des schlechten Wetters geschlossen. Der Schnee türmte sich vielerorts auf bis zu 30 Zentimeter. Nach Angaben der Meteorologen sollen die Schneefälle auch am Wochenende anhalten.

Achtjähriger erfroren

Die Zahl der Toten durch die Schneestürme in der Türkei ist am Freitag auf fünf gestiegen. In Istanbul wurde der erfrorene Körper eines seit 24 Stunden vermissten achtjährigen Schülers gefunden, wie der Fernsehsender NTW berichtete.

Den Behörden zufolge hatte der Schneesturm den Bub auf dem Heimweg von der Schule von seinen beiden Brüdern getrennt. Sein Leichnam wurde in der Nähe einer Brücke entdeckt, die durch den Sturm zerstört wurde. Vier weitere Menschen kamen in der Türkei durch den Kälteeinbruch ums Leben, unter ihnen ein 13-Jähriger.

Notstand auf Ägäisinsel Limnos ausgerufen

Auch auf der griechischen Insel Limnos erklärten die Behörden wegen der unsicheren Wetterlage den Notstand. Die Insel in der nordöstlichen Ägäis war am Freitag von der Stromversorgung abgeschnitten. In mehreren Vororten der griechischen Hauptstadt Athen blieben die Schulen geschlossen. In den Bergen waren dutzende Dörfer von der Außenwelt abgeschnitten. Nach Einschätzung der Meteorologen werden die heftigen Schneestürme auch am Wochenende anhalten. (APA)

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    Ungewöhnlich heftiger Schneesturm in Istanbul

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