In die Lektüre fallen

24. Jänner 2004, 18:00
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In "Manch Eine Wird" von Barbara G. Wochner findet sowohl das "Werden" als auch das "Ent-Werden" von Leserinnen statt

Am ehesten kann "Manch Eine Wird" von Barbara G. Wochner, deren Sprache sich eindeutiger Bedeutungsproduktion gerade ob ihrer Knappheit entzieht, mittels des Lektüreerlebnisses nachvollzogen werden: mit Lyrik wenig vertraut, erst verwirrt gewesen. Dann: was die Form - als Mischung aus Gedichten, Fotos und einem theoriebezogenen Nachwort - nahelegt, ist sehr geglückt: angreifbar zu werden, dadurch zu berühern und damit sowohl das "Werden" als auch das "Ent-Werden" von Leserinnen stattfinden zu lassen.

Die formale Strenge der präzise plazierten Buchstaben, Worte, Satzfragmente, Sätze regt die Anstrengung und das Glück an, die Sinnstiftung der Autorin nachzuvollziehen und eigene Bilder und Sinnzusammenhänge entstehen zu lassen. Eine Fülle an Zusammenhängen wird aufgemacht und angedeutet: zwischen Denken und Körper, zwischen Politik und Privatem, zwischen Geschlecht im besonderen und Leben im allgemeinen. Die von Michi Ebner konstatierte Assoziation der weib-weiblichen Trinität kann, auf den ganzen Band bezogen, als Dreiheit von Texten, Bildern und Theorien gedeutet werden.

Eine der vielen faszinierenden Seiten von "Manch Eine Wird": die Gewissheit, dass jedes erneute Lesen und Betrachten das Begehren wecken wird, sich noch tiefer in die Lektüre fallen zu lassen: "Fliegen und bleiben."

Von Gastautorin Katharina Pewny, Lektorin an der Universität Wien und APART-Stipendiatin der Akademie der Wissenschaften.

Barbara G. Wochner.
Manch Eine Wird.
Ein Sprachband.
Mit einer Fotoserie der Autorin und einem Nachwort von Michi Ebner.
130 S. / 17,40 Euro.
Milena Verlag, Wien 2003.
ISBN: 3-85286-116-0

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