Sharon will mit Bush über einseitigen Trennungsplan sprechen

25. Jänner 2004, 14:48
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Mögliches Ablenkungsmanöver nach Bestechungsskandal dementiert

Jerusalem - Der israelische Regierungschef Ariel Sharon wird nach einem Bericht der Tageszeitung "Yediot Aharonot" vom Freitag Ende Februar mit US-Präsident George W. Bush zusammentreffen, um seinen einseitigen Trennungsplan von den Palästinensern vorzustellen. Die Zeitung schrieb am Freitag, das Treffen sei zwischen Sharons Kabinettschef Dov Weissglass und US-Sicherheitsberaterin Condoleezza Rice in Washington vereinbart worden. Für den Bericht gab es in Jerusalem bisher keine offizielle Bestätigung.

Rice habe am Donnerstag gegenüber Weissglass bemängelt, Sharon ignoriere politische Botschaften aus Washington. Die US-Führung sei "sehr enttäuscht" angesichts der Stagnation im Nahen Osten und bemühe sich gegenwärtig nur darum, einen neuen Gewaltausbruch zu verhindern, schrieb das israelische Blatt.

Vertraute Sharons betonten, das geplante Treffen mit Bush ziele nicht darauf ab, von den jüngsten Korruptionsvorwürfen gegen Sharon abzulenken. Der durch einen Bestechungsskandal unter wachsenden politischen Druck geratene Premier hatte am Donnerstagabend vor Likud-Mitgliedern betont, er wolle mindestens bis 2007 im Amt bleiben. Die Opposition hat seinen Rücktritt gefordert, nachdem gegen einen israelischen Geschäftsmann und Likud-Parteifreund Anklage wegen Bestechung Sharons erhoben worden ist.

Sharon hat für den Fall des Scheiterns des internationalen Friedens-Fahrplans (Roadmap) eine einseitige Grenzziehung und die Einverleibung großer Teile der palästinensischen Gebiete durch Israel angekündigt. Gleichzeitig würden einige jüdische Siedlungen geräumt. Der Premier sei inzwischen nach Gesprächen mit Mitgliedern seiner Likud-Partei zu dem Schluss gelangt, dass er mit ihrer Unterstützung für eine komplette Räumung aller jüdischen Siedlungen im Gaza-Streifen rechnen könne, schrieb "Yediot Aharonot".

Die USA hatten Sharon vor den von ihm in Aussicht gestellten "einseitigen Maßnahmen" gewarnt. Der Fahrplan des Nahost-"Quartetts" (USA, EU, UNO, Russland) verlangt das bedingungslose Ende der israelischen Siedlungstätigkeit in den besetzten Gebieten und den Abbau aller seit 2001 errichteten Siedlungen und sieht die Schaffung eines souveränen palästinensischen Staates im Westjordanland und Gaza-Streifen bis 2005 vor. (APA/dpa)

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