Sehprothesen bald am Menschen getestet

25. Jänner 2004, 16:00
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Umrisse sollen wieder erkennbar werden

Hannover - Noch in diesem Jahr will der Tübinger Mediziner Eberhart Zrenner erstmals Sehprothesen an Menschen testen. Die Netzhaut-Implantate sollen Blinden wieder zum Sehen verhelfen. In dem Magazin "Technology Review" warnt der Medizinprofessor aber vor überhöhten Erwartungen: "Es wird nicht möglich sein, dass vollständig Blinde wie Normalsichtige sehen." Was jedoch schon ein Teilerfolg beim Wiederherstellen des Sehvermögens für Blinde bedeute, könnten gesunde Menschen gar nicht erfassen.

Für seine Retina-Implantate, die bisher nur an Tieren getestet wurden, fasst Zrenner dem Bericht zufolge rund 1.500 mikroskopisch kleine Photodioden auf einem Chip zusammen. Dieser wird in die hintere Schicht der Netzhaut eingepflanzt. Das ins Auge fallende Licht nutzt der Experte zur Steuerung eines elektrischen Reizstroms, der wiederum ein spezifisches Erregungsmuster auf der Netzhaut erzeugt, das zu verwertbaren Seheindrücken führen soll.

Voraussetzung für einen Erfolg der Prothesen ist laut Zrenner, dass bei den Patienten der Sehnerv und die neuronale Verschaltung vor dem Nerv noch erhalten sein muss. Denn sonst funktioniere die Weiterverarbeitung der Lichtsignale nicht. In den nächsten Monaten sollen zunächst acht Patienten erstmals den neuen Chip implantiert bekommen. Der Wissenschafter hofft, dass die Betroffenen danach zumindest Umrisse wieder erkennen können. (APA/AP)

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