"Verzweifelt, isoliert, allein"

30. Jänner 2004, 10:24
9 Postings

Jürgen Macho, österreichische Goalie des FC Chelsea, hat harte Zeiten hinter sich, nun soll es wieder bergauf gehen - ein Interview

London/Wien - Mit dem Tschechen Petr Cech hat der FC Chelsea in dieser Woche einen weiteren Goalie unter Vertrag genommen und verfügt damit auch dank der sprudelnden Ölquellen des russischen Milliardärs Roman Abramowitsch derzeit über fünf Torleute. Da drängt sich die Frage auf, wie geht es eigentlich Jürgen Macho? In einem APA-Interview erzählt der 26-jährige Wiener über seinen langen Weg zurück. Dieser war von einer zweiten Knieoperation vor Weihnachten unterbrochen.

Am 9. Juli haben Sie sich im Training einen Meniskusschaden sowie einen Riss des vorderen Kreuz- und Seitenbandes im rechten Knie zugezogen und wurden am 16. Juli operiert. Wie geht es Ihnen jetzt gesundheitlich?

Macho: "Ich habe mich vor Weihnachten in Wien neuerlich einem operativen Eingriff durch Benno Zifko unterziehen müssen, weil sich Fasern verklebt, sich Wasser im Knie befunden und ich dadurch Schmerzen hatte. Ich machte damals keine Fortschritte."

Ursprünglich war die Rückkehr auf den Rasen für Ende Jänner geplant. Wann wird man Sie nach dem neuerlichen Rückschlag nun wieder im Tor sehen?

Macho: "Durch die Operation habe ich Zeit verloren. Aber in ein bis zwei Wochen werde ich mit dem lockeren Tormann-Training wieder beginnen und ich gehe auch davon aus, dass ich spätestens in vier bis sechs Wochen wieder im Gehäuse stehen werde."

Sie haben jetzt in Richmond, im Westen der Stadt, eine Wohnung bezogen. Wie sieht Ihr derzeitiger Alltag aus?

Macho: "Ich war sechs Monate verzweifelt, isoliert und allein, doch nun geht's bergauf. Rückschläge verleihen auch neue Kräfte, machen stark. Ich absolviere täglich zwei Mal ein eigenes Programm für den Oberkörper, suche danach meinen Physio-Therapeuten auf, fahre Rad, laufe auf dem Band und mache Krafttraining."

Chelsea hat mit Cech jetzt einen fünften Tormann verpflichtet. Da wird das Comeback noch schwieriger. Werden Sie Ihren bis 2005 gültigen Vertrag erfüllen?

Macho: "Zuerst heile ich meine Verletzung zu 100 Prozent aus, dann werde ich mich mit dem Klub zusammensetzen und über die Zukunft sprechen. Sollte er mit mir nicht mehr planen, bin ich für alles offen und höre mir auch alles an. Ich muss spielen, das ist das Wichtigste für mich, weil ich noch einige große Ziele vor mir habe."

Welche Ziele meinen Sie da?

Macho: "Wenn ich wieder spiele, kann ich mir vorstellen, dass ich auch dem Nationalteam weiterhelfen kann. Ich kenne viele Teamspieler von Nordirland, Wales und England, die bei uns in der Premier League tätig sind und weiß über deren Schwächen und Stärke Bescheid."

Was sagen Sie zur WM-Quali-Gruppe und wie sehen Sie die österreichischen Chancen?

Macho: "Bei der Auslosung habe ich gejubelt, sie hat mich zusätzlich motiviert. Es wird schwierig, doch wir dürfen nicht in Ehrfurcht erstarren und müssen uns vor niemanden verstecken. Wir können für Überraschungen sorgen. Das erste Spiel daheim gegen England ist das Beste, was uns passieren konnte."

Der FC Chelsea steht im Achtelfinale der Champions League und rangiert derzeit hinter Arsenal und Meister ManU national an dritter Stelle. Was trauen Sie Ihren Londonern in dieser Saison noch zu?

Macho: "Für uns ist noch alles möglich. Wir können auch mit dem nötigen Glück viel gewinnen, aber auch genauso alles verlieren."(APA)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    "Wenn ich wieder spiele, kann ich mir vorstellen, dass ich auch dem Nationalteam weiterhelfen kann"

Share if you care.